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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Kurz- und langfristige Verbesserung der Lokalisationsleistung in der Horizontalebene durch repetitive Testung ohne Rückmeldung bei Probanden mit simulierter Schallleitungsschwerhörigkeit

Gerrit Glesmann - Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
Stefan Dazert - HNO-Universitätsklinik Bochum, Bochum, Deutschland
Martijn Agterberg - Donders Institute RadboudUMC, Nijmegen, Deutschland
Anke Leichtle - HNO-Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland
Karl-Ludwig Bruchhage - HNO-Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland
Ioana Brill - HNO-Universitätsklinik Bochum, Bochum, Deutschland

Text

Einleitung: Studien zeigen Verbesserungen und Lerneffekte bei der räumlichen Schallquellen-Lokalisationsleistung bei akuter oder chronischer Schallleitungsschwerhörigkeit. In dieser Studie wurde die Schallquellen-Lokalisationsleistung ohne kognitive Rückmeldung mit normalhörenden Probanden mit simulierter einseitiger Schallleitungsschwerhörigkeit gemessen.

Material und Methoden: 12 normalhörende erwachsene Probanden wurden 7 Mal (1 Mal beidohrig, 5 Mal einseitig verstöpselt und mit Schallschutzkapsel, 1 Mal beidohrig) am Tag, 3 mal in 2-wöchigem Abstand mit simulierter Schallleitungsschwerhörigkeit in einer 1 aus 20 Lautsprecher-Selektions-Aufgabe in der Horizontalebene getestet. Zu keinem Zeitpunkt erhielten die Probenden Rückmeldungen über ihre Einzelantworten oder ihre Gesamtleistung. Als Stimuli wurde Breitbandrauschen (500Hz – 20kHz) einer Dauer von 150 ms mit zufallspermutierten Schallpegeln von 55, 65, 75 dBSPL verwendet. Ein Testlauf bestand aus 36 Stimuli, wobei die Testdauer eines Durchlaufs ca. 3 Minuten betrug. Als Maß der Lokalistionsleistung wurde das quadratische Mittel des Winkelfehlers (root mean square error, RMSE) verwendet.

Resultate: Insgesamt wurden 251 Testläufe bei 12 Probanden durchgeführt. Initial zeigten die Normalhörenden in der binauralen Kondition einen RMSE von 6,78º +/-1.05º. Mit simulierter Schallleitungs-Schwerhörigkeit betrug der RSME initial 71,25º +/- 24.49º und verbesserte sich innerhalb der ersten Tagessitzung auf 60,19º +/- 32,42º. Diese Leistung verbesserte sich in den späteren Tagessitzungen noch deutlich weiter auf final 44,40º +/- 32,55º. Zum Vergleich beträgt die Rateleistung des RMS-Winkelfehlers 83,76º.

Schlussfolgerung: Es ist eine spontane deutliche Verbesserung der Lokalisationsleistung zu erkennen, resultierend allein aus der Testdurchführung ohne jegliche Rückmeldung. Ein kognitiver Feedback ist daher nicht unbedingt nötig um die Lokalisationsfähigkeit bei simulierter Schallleitungsschwerhörigkeit zu erhöhen. Darüberhinaus könnte eine Rückmeldung über jeden Einzelstimulus oder über die Gesamtleistung diese Leistungssteigerung beschleunigen oder die Lokalisationsfähigkeit noch weiter erhöhen.