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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Sprachverstehen und Höranstrengung bei geteilter vs. selektiver Aufmerksamkeit

Sandra Hilker - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Pascale Sandmann - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Forschungszentrum Neurosensorik, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Sebastian Puschmann - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Andreas Radeloff - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Forschungszentrum Neurosensorik, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Hartmut Meister - Universitätsklinikum Köln, Jean-Uhrmacher-Institut für klinische HNO-Forschung, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Köln, Deutschland
Khaled Abdellatif - Universitätsklinikum Köln, Jean-Uhrmacher-Institut für klinische HNO-Forschung, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Köln, Deutschland

Text

Fragestellung: Der „Cocktailparty“ Effekt beschreibt die Fähigkeit, relevante Informationen selektiv zu filtern und zu bewerten, während mehrere Personen zur selben Zeit sprechen. Gerade für Menschen mit einem Cochlea-Implantat (CI) stellen solche komplexen akustischen Situationen aufgrund der limitierten Signalqualität des CIs jedoch eine besonders große Herausforderung dar. In diesem Projekt wird die Frage untersucht, wie sich die Sprachverarbeitung in einer Hörsituation mit zwei konkurrierenden Sprechern zwischen CI-Trägern und alterstypisch Hörenden unterscheidet. Dabei wird berücksichtigt, wie unterschiedliche Grade kognitiver Belastung – insbesondere darauf basierend, ob diese Personen über a-priori-Wissen oder lediglich a-posteriori-Wissen über den Zielsprecher verfügen – diese Verarbeitung beeinflussen.

Methoden: In dieser laufenden Studie werden alterstypisch Hörende und CI-Träger im Rahmen eines Visual-Word-Paradigms [1] untersucht. Die Teilnehmenden hören Sätze des Oldenburger Satztests, die von zwei konkurrierenden Sprechern stammen und über zwei Lautsprecher (± 30°) dargeboten werden. Parallel dazu sehen sie auf einem Bildschirm Symbole zu Satzbestandteilen. Mithilfe von Pupillometrie und Okulographie werden Pupillenweite und Augenbewegungen aufgezeichnet, um Rückschlüsse auf Höranstrengung und die Verarbeitung auditorischer Reize zu ermöglichen. In der Bedingung mit a-priori-Wissen wird vorab ein Schlüsselwort präsentiert – ein Name, der in einem der beiden folgenden Sätze vorkommt und den Zielsprecher definiert. So lässt sich der Einfluss selektiver Aufmerksamkeit auf die Sprachverarbeitung untersuchen. In der Bedingung mit a-posteriori-Wissen erscheint das Schlüsselwort erst nach Satzende, wodurch der Einfluss geteilter Aufmerksamkeit erfasst wird [2].

Ergebnisse: Die vorläufigen Ergebnisse der alterstypisch Hörenden zeigen erwartungsgemäß in der a-posteriori-Bedingung deutlich weniger korrekt wiedergegebene Wörter als in der a-priori-Bedingung. In der Analyse der Pupillenweite zeigt sich für diese Gruppe zudem eine geringere Pupillengröße in der a-priori- im Vergleich zur a-posteriori-Bedingung. Darüber hinaus ist in beiden Bedingungen jeweils ein Anstieg der Pupillengröße zu Beginn des Satzes sowie während der verbalen Wiedergabe zu beobachten.

Schlussfolgerung: Die geringere Anzahl korrekt wiedergegebener Wörter in der a-posteriori-Bedingung gegenüber der a-priori-Bedingung deutet darauf hin, dass unter geteilter Aufmerksamkeit die kognitive Belastung steigt und dies zu Einbußen in der Sprachverarbeitung führt. Diese vorläufigen Ergebnisse werden durch die erhöhte Pupillenweite in der a-posteriori-Bedingung gestützt, die auf eine größere Höranstrengung unter geteilter im Vergleich zu selektiver Aufmerksamkeit hinweist. Weitere Analysen werden zeigen, inwiefern sich diese Effekte zwischen alterstypisch Hörenden und CI-Trägern unterscheiden.


Literatur

[1] Abdel-Latif KHA, Koelewijn T, Başkent D, Meister H. Assessment of Speech Processing and Listening Effort Associated With Speech-on-Speech Masking Using the Visual World Paradigm and Pupillometry. Trends Hear. 2025 Jan-Dec;29:23312165241306091. DOI: 10.1177/23312165241306091
[2] Humes LE, Lee JH, Coughlin MP. Auditory measures of selective and divided attention in young and older adults using single-talker competition. J Acoust Soc Am. 2006 Nov;120(5 Pt 1):2926-37. DOI: 10.1121/1.2354070