28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Digitale versus konventionelle Abformung des Gehörgangs: Ein Genauigkeitsvergleich zwischen Handscanner und Abformmasse
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Hintergrund: Die digitale Abformung des Gehörgangs mittels Handscanner bietet Vorteile hinsichtlich Zeitersparnis, Materialaufwand und Patient:innenkomfort. Gleichzeitig ist die Methode durch hohe Anschaffungskosten limitiert, während die konventionelle Abformung mit Abformmasse zwar aufwändiger, dafür etabliert und kostengünstiger ist. Bisher existieren keine Studien, die die Genauigkeit beider Verfahren systematisch vergleichen. Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen technischen Stand des verfügbaren digitalen Systems zu evaluieren und dem Fachpublikum eine fundierte Empfehlung zu geben.
Methoden: Es wurden zwei künstliche Gehörgänge (ein geradliniger eckiger und ein anatomisch geschwungener) im CAD konstruiert und mittels 3D-Druck gefertigt. Diese dienen als Referenz für die Analyse der Abweichung zwischen digitaler und herkömmlicher Abformung. Fünf Personen führten jeweils drei konventionelle Abformungen mit den Abformmassen zweier Hersteller sowie drei digitale Abformungen mit einem Handscanner durch. Die resultierenden 3D-Modelle wurden durch Best-Fit-Überlagerung in dem Programm Geomagic Design X mit dem CAD-Referenzmodell verglichen. Bewertet wurden die durchschnittliche Abweichung, welche Hinweise auf eine Schrumpfung gibt, sowie der RMS-Wert (Root Mean Square) als richtungsunabhängiges Abweichungsmaß.
Ergebnisse: Beide Methoden zeigen bislang eine insgesamt vergleichbare Präzision, auch zwischen den verschiedenen Abformmassen ergaben sich keine relevanten Unterschiede. Die digitale Abformung weist eine leicht geringere durchschnittliche Abweichung auf, während die RMS-Werte beider Verfahren ähnlich sind. Herausforderungen ergaben sich bei einzelnen Datensätzen durch nicht ausrichtbare Modelle in Geomagic. Bei der konventionellen Methode führten Luftblasen teilweise zu erhöhten Abweichungen. Durch mikroskopische Aufnahmen der Kanten konnte hierbei das FINO bei der Ursachenforschung unterstützen. Bei der digitalen Methode hingegen kann ein unvollständiges Scannen zu Datenlücken führen. Unterschiede zwischen den fünf Anwender:innen werden derzeit weiter ausgewertet.
Schlussfolgerung: Die digitale Abformung stellt bereits eine gleichwertige Alternative zur konventionellen Abformung dar. Beide Methoden zeigen aktuell eine vergleichbare Präzision. Entscheidende Unterschiede liegen weniger in der Genauigkeit als in Kosten, Workflow und Nutzererlebnis: Die digitale Methode ist schneller und bietet Patient:innen einen zusätzlichen Erlebniswert, da der Scanprozess live mitverfolgt werden kann.
Ausblick: Geplant sind Untersuchungen an realen Gehörgängen sowie weitere Tests mit zusätzlichen Anwender:innen, um interpersonelle Variabilität zu erfassen. Im dritten Quartal 2026 werden neue Handscanner-Modelle erwartet, deren Einbindung bereits vorbereitet wird. Zusätzlich sollen Einflüsse auf die Genauigkeit konventioneller Abformungen untersucht werden, etwa durch Kühlung, Erwärmung oder UV-Behandlung der Abformungen.
Abbildung 1 [Abb. 1]




