28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Bewertung der subjektiven Qualität des Musikhörens bei CI-Nutzern mit einseitiger Taubheit
Text
Bei einseitiger Taubheit (engl. single-sided deafness, SSD) führen trotz kontralateralem normalem Gehör das fehlende beidohrige Hören und die damit Verbundenen Einschränkungen in der Lokalisationsfähigkeit und dem Sprachverstehen im Störgeräusch häufig zu dem Wunsch nach einer Versorgung mit Cochlea-Implantat (CI). Bisher weniger untersucht ist die Wahrnehmung von Musik und hier insbesondere die Interaktion von normalhörendem Ohr und CI-Ohr. Ziel der vorliegenden Studie war es, die subjektive Bewertung der Klangqualität von Musik und Sprache bei CI-Nutzern mit SSD zu untersuchen.
12 CI-Träger mit SSD und 14 Personen mit Normalgehör (NH) nahmen an dieser Studie teil. Die Klangqualität von Musikstücken aus verschiedenen Genres (Hardrock, Pop, Klassik, Soloklavier, Filmmusik) und einer Sprachaufnahme wurde mit einem modifizierten MUSHRA-Test bewertet. Es wurden die einseitige akustische Stimulation (Referenz), einseitige CI-Stimulation, und die binaurale Stimulation mit entweder lautheitsangepasstem oder um 10 dB im Pegel reduzierter CI-Stimulation verglichen. In der NH-Gruppe wurde die CI-Stimulation in einem Ohr mit einem Rauschvocoder simuliert.
Bei CI-Nutzern mit SSD verbesserte sich die Klangqualität von Musik und Sprache durch die Hinzunahme des CI im Vergleich zum Hören mit dem NH-Ohr allein signifikant (p<0,001). Die Klangqualität verschlechterte sich, wenn die CI-Stimulation leiser war als auf dem NH-Ohr. Der positive Effekt des interaural kombinierten elektrisch-akustischen Hörens konnte in der NH-Gruppe mit simuliertem SSD-CI-Hören nicht repliziert werden.
Obwohl die Klangqualität beim Hören von Musik und Sprache mit einem CI allein als schlecht bewertet wurde, war die Qualität des beidohrigen Hörens bei SSD-CI wesentlich besser als beim Hören mit dem NH-Ohr allein. In dieser speziellen Patientengruppe sind daher weitere Studien zur Auswirkung der interauralen Frequenzanpassung auf die Klangqualität von besonderem Interesse.



