28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Der Einfluss der Positionierung der basalen Elektrode auf den Vorhersagefehler der angularen Insertionstiefe
Text
Einleitung: Die präzise Vorhersage der angularen Insertionstiefe ist für die individuelle Wahl des optimalen Elektrodenträgers von entscheidender Bedeutung, dennoch bestehen weiterhin erhebliche Diskrepanzen zwischen den präoperativen Plänen und den postoperativen Ergebnissen. Ziel dieser Studie war es, die Genauigkeit der softwarebasierten Prädiktion der angularen Insertionstiefe systematisch zu bewerten und den Hauptfaktor zu identifizieren, der zu Vorhersagefehlern beiträgt.
Design: In dieser retrospektiven Studie wurden Vorhersagen der angularen Insertionstiefe für N=502 mit MEDEL-Implantaten versorgte CI-PatientInnen mit der tatsächlich gemessenen angularen Insertionstiefe verglichen. Die Berechnung der angularen Insertionstiefe basiert auf der Annahme, dass die Insertion genau bis zum am basalen Ende befindlichen „Stopper“ des Elektrodenträgers erfolgt und folglich im Runden Fenster lokalisiert sein sollte. Diese Vorhersagen wurden mit den postoperativ gemessenen angularen Insertionstiefe verglichen. Die primäre untersuchte Variable war die lineare Insertionstiefe der basalsten Elektrode, definiert als ihr Abstand zum runden Fenster, die die tatsächliche Positionierung des Elektrodenträgers quantifiziert.
Ergebnisse: Es wurde eine mittlere Differenz von -11° (±74°) zwischen der ursprünglich vorhergesagten und der tatsächlich gemessenen angularen Insertionstiefe festgestellt. Die tatsächliche lineare Insertionstiefe der basalsten Elektrode variierte stark und reichte von -13,8 mm bis 11,0 mm, wobei 9% aller Implantationen unvollständig waren. Die Korrektur des Vorhersagealgorithmus durch Einbeziehung der tatsächlich gemessenen linearen Insertionstiefe verbesserte die Vorhersagegenauigkeit deutlich und reduzierte die mittlere absolute Abweichung von 36° auf 19°.
Schlussfolgerung: Die Diskrepanz zwischen der angenommenen und der tatsächlichen chirurgischen Platzierung des Elektrodenarrays am runden Fenster erklärt einen großen Teil der Abweichung zwischen prognostizierter und tatsächlich gemessener angularer Insertionstiefe. Dieser chirurgische Faktor, der durch die Messung der linearen Insertionstiefe erfasst wird, überlagert die feineren anatomischen Details des präoperativen Plans und verdeutlicht die Grenzen aktueller Vorhersagemodelle, die von einer idealisierten Insertion ausgehen.



