28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Sprachverstehen im Hinblick auf die tägliche Nutzung bei erwachsenen Cochlea-Implantat-Trägern mit unterschiedlicher kontralateraler Versorgung
Text
Einleitung: Die Hörgewohnheiten und Hörergebnisse von Cochlea-Implantat (CI)-Trägern können teils stark variieren. Neben den bekannten Faktoren, wie Alter, Grad, Dauer und Versorgung des Hörverlusts ipsilateral, können auch der Gesundheits- und Versorgungszustand des kontralateralen Ohrs (Normalhörend (NH), Hörgerät (HG) oder CI) die Hörergebnisse sowie die tägliche CI-Nutzung beeinflussen. Studien, die den täglichen Gebrauch von CIs via Datalogging in Bezug auf die CI-Ergebnisse bei Erwachsenen sowie Kindern untersuchen, zeigten bereits eine positive Korrelation. In dieser Arbeit wird untersucht, inwieweit sich die tägliche Nutzungsdauer von CIs bei erwachsenen, bilateralen (CI+CI), bimodalen (CI+HA) und einseitig tauben (CI+NH) CI-Nutzern unterscheidet. Dabei soll geprüft werden, ob sich diese Patientengruppen in ihrem Hörverhalten und Sprachverstehen unterscheiden.
Methoden: Es wurden 330 erwachsene CI-Nutzer retrospektiv analysiert. Die Einschlusskriterien waren postlinguale Ertaubung, Deutsch als Muttersprache, korrekte Lage der CI-Elektrode und das Fehlen pathologischer (retro-)cochleärer Störungen. Die tägliche CI-Nutzungsdauer und das Sprachverstehen mit CI (Freiburger Einsilbertest bei 65 dB SPL) wurden sechs Monate nach der CI-Aktivierung protokolliert.
Ergebnisse: Die durchschnittliche tägliche CI-Nutzung variiert zwischen den Gruppen: 13,9 ± 1,6 h/Tag (CI+CI), 11,9 ± 3,4 h/Tag (CI+HG) und 11,0 ± 3,7 h/Tag (CI+NH). Das Sprachverstehen variierte: 75,8 ± 14,5% (CI+CI), 61,3 ± 22,3% (CI+HG) und 60,2 ± 23,1% (CI+NH). In allen Gruppen besteht eine positive Korrelation zwischen Sprachverstehen und täglicher CI-Nutzung (CI+CI: r = 0,44; p < 0,005; CI+NH: r = 0,39; p < 0,005; CI+HG: r = 0,44; p < 0,005). In der bimodalen Gruppe (CI+HG) gibt es zusätzlich eine negative Korrelation (r = -0,32; p < 0,005) zwischen der täglichen CI-Nutzung und dem Sprachverstehen auf der kontralateralen Seite mit Hörgerät.
Schlussfolgerung: CI-Träger, die ihr CI im Durchschnitt länger täglich nutzen, zeigen auch ein besseres Sprachverstehen in Ruhe. Die tägliche Nutzung des CIs hängt auch vom Zustand und der Versorgung des kontralateralen Ohrs ab. Eine unzureichende Hörgeräteversorgung auf dem Gegenohr steigert die tägliche Nutzung des CI ipsilateral. Nach sechs Monaten CI-Erfahrung lassen unsere Daten jedoch keine Rückschlüsse darauf zu, ob eine längere tägliche CI-Nutzung zu einer besseren Sprachverstehen führt oder umgekehrt.



