28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Semantische Verarbeitungsprozesse nach Cochlea-Implantat-Versorgung: Neuronale Korrelate (EEG & fNIRS) zeigen potenzielle Effekte eines kognitiven Trainings auf die Hörrehabilitation
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Zusammenhänge zwischen kognitiven Fähigkeiten und Hörvermögen könnten dabei helfen, interindividuelle Variabilität im postoperativen Sprachverstehen nach Cochlea-Implantat-(CI) Versorgung zu erklären.
Dieses Projekt untersucht neuronale Prozesse in der Verarbeitung von Semantik im Rehabilitationsverlauf nach CI-Operation und testet potenzielle Effekte eines begleitenden kognitiven Trainings auf das Sprachverstehen.
Untersucht werden zwei Gruppen von Patient:innen (>50 Jahre) mit bilateralem Hörverlust, die mit einem CI versorgt werden. Alle an der Studie teilnehmehnden Patient:innen absolvieren im Rahmen der klinischen Routine ein Hörtraining. Während eine Gruppe postoperativ zusätzliche Hörübungen für zuhause erhält, trainiert die zweite Guppe eigenständig ihre kognitiven Fähigkeiten mittels einer App.
Sechs Monate nach CI-Aktivierung zeichnen wir die neuronale Verarbeitung mittels der Methoden Elektroenzephalographie (EEG) und funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) auf, während auditiv Sätze päsentiert werden, die entweder semantisch korrekt oder inkorrekt sind. Wir führen Analysen ereigniskorrelierter Potenziale (EKP) durch, um schnelle Verarbeitungsmechanismen im Gehirn zu untersuchen und analysieren hämodynamische Antworten (fNIRS), um zugrunde liegende Hirnregionen zu lokalisieren.
Vorläufige Ergebnisse zeigen für beide Gruppen eine frühe positive EKP-Reaktion, wobei die Verarbeitung semantisch inkorrekter Sätze eine stärkere Positivierung hervorruft als die Verarbeitung korrekter Sätze. Dieser Effekt könnte eine P300-Komponente darstellen und somit eine Aufmerksamkeitsreaktion widerspiegeln. Patient:innen, welche sechs Monate die kognitive Trainings-App nutzen, zeigen zusätzlich eine Tendenz einer verspäteten N400 bei der Verarbeitung semantisch falscher Sätze, was auf beginnende linguistische Prozesse hindeutet. Die vorläufigen fNIRS Ergebnisse deuten zudem auf eine stärkere Aktivierung in der kognitiven Trainingsgruppe im Vergleich zur Hörtrainingsgruppe. Dies scheint insbesondere bei der Vararbeitung semantsich korrekter Stimuli der Fall zu sein.
Unsere vorläufigen Ergebnisse unterstützen Befunde zu veränderten neuronalen Verarbeitungsmustern bei CI-Patient:innen im Vergleich zu Personen ohne Hörminderung und legen nahe, dass der Rehabilitationsprozess sechs Monaten nach CI-Aktivierung weiterhin andauert. Die möglicherweise effizientere semantische Verarbeitung, die durch die Nutzung der kognitiven Trainingsapp erzielt wird, könnte Implikationen für eine Optimierung der Hörrehabilitation nach CI-Versorgung bieten.



