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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Datenbasierter Ansatz zur Bestimmung von Zeitfenstern für CI-Patientenbesuche

Annette Günther - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Oliver J. Bott - Hochschule Hannover, Institute for Applied Data Science Hannover DATA, Hannover, Deutschland
Eugen Kludt - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Sarah Vormelcher - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland; MED-EL Medical Electronics GmbH, Research Center, Hannover, Deutschland
Cornelia Cornelia Batsoulis - MED-EL Medical Electronics GmbH, Research Center, Hannover, Deutschland
Andreas Büchner - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland

Text

Einleitung: Patienten mit einem Cochlea-Implantat (CI) sind auf eine kontinuierliche Nachsorge angewiesen, um ein optimales Hörergebnis zu erreichen. Die Nachsorge erfolgt über mehrere Patientenbesuche zu definierten Kontrollzeitpunkten [1]. In der klinischen Routine erscheinen die Patienten jedoch selten exakt zu den vorgesehenen Zeitpunkten; die meisten Besuche finden in deren zeitlicher Nähe statt. Diese Variabilität führt zu Inkonsistenzen sowie zu einer begrenzten Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit zwischen Patienten, Zentren und Studien [2]. Daher wurde ein datenbasierter Ansatz zur Bestimmung von Besuchszeitfenstern (Data-Driven Visit Windowing, DDW) entwickelt und gegenüber einem studienprotokollbasierten Schema (Study-Protocol Visit Window, SPW) evaluiert.

Methoden: Zur Entwicklung des DDW-Ansatzes wurde die Verteilung von Patientenbesuchen analysiert, bei denen Sprachverständlichkeitstests innerhalb von vier Jahren nach Erstanpassung (EA) durchgeführt wurden. Der verwendete Hauptdatensatz umfasst 31.344 Besuche von 5.264 Patienten, die zwischen 1985 und 2021 an der Medizinischen Hochschule Hannover mit einem CI versorgt wurden. Der entwickelte Ansatz erfüllt zwei zentrale Funktionen: 1. Bestimmung von Besuchszeitfenstern mit Anfangs- und Endzeitpunkten. 2. Bestimmung einer Regel zur Auswahl des repräsentativsten Besuchs innerhalb jedes Zeitfensters für die Analyse. Die Reproduzierbarkeit des DDW-Ansatzes wurde durch den Vergleich der Verteilungen der Patientenbesuche bis Mai 2021 und von Mai 2021 bis September 2025 validiert. Zusätzlich erfolgte ein Vergleich mit dem SPW-Schema, dessen Zeitfenster aus einer registrierten CI-Studie [3] übernommen wurden. Für beide Ansätze wurde die Abdeckung der Patientenbesuche zu standardisierten Zeitpunkten (EA sowie 3, 6 und 12 Monate nach EA) berechnet und verglichen. Die Abdeckung entspricht dem Anteil der Besuche, die innerhalb der von DDW bzw. SPW festgelegten Zeitfenster liegen, im Verhältnis zu den erwarteten Besuchen innerhalb des Analysezeitraums.

Ergebnisse: Der DDW-Ansatz zeigt, dass variabel lange, aufeinanderfolgende und datenbasierte Zeitfenster auch für nachfolgende Datensätze reproduzierbar sind und eine größere Variabilität abbilden. Im Vergleich zum SPW-Schema deckte der entwickelte Ansatz einen höheren Anteil an Besuchen ab (+40,3 Prozentpunkte).

Schlussfolgerungen: Der DDW-Ansatz bietet eine reproduzierbare, erweiterbare und klinisch fundierte Grundlage zur Bestimmung von Besuchszeitfenstern. Zudem ermöglicht der Ansatz konsistente longitudinale CI-Analysen, den Vergleich zwischen Zentren und Studien und ist auf weitere besuchsbasierte Datensätze anwendbar.

Abbildung 1 [Abb. 1]

Abbildung 1: Verteilung der Patientenbesuche mit Zeitfenstern, bestimmt nach dem datenbasierten Ansatz (DDW).


Literatur

[1] DGHNO-KHC. S2k-Leitlinie Cochlea-Implantat Versorgung. Dresden: AWMF; 2020.
[2] FDA. Clinical data presentations for orthopedic device applications: Guidance for industry and FDA staff. Rockville: Center for Devices and Radiological Health; 2004.
[3] MED-EL Corporation. Expanded Indications in the Adult Cochlear Implant Population: Clinical Trial Protocol. Durham: MED-EL Corporation; 2020.