Logo

28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Intra-cochleäre Schädigungen infolge von Druckänderungen bei der Insertion von Cochlea-Implantatelektroden

Max Meuser - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Susanne Schwitzer - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Parisa Sadat - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Patrick Boyle - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Philipp Mittmann - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Dietmar Basta - Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Fragestellung: Aktuell schließt die Indikation von Cochlea-Implantaten auch Patienten mit erhaltenem Restgehör im Tieftonbereich ein. Viele Patienten verlieren jedoch oft das Restgehör infolge der Cochlea-Implantation. Da das Restgehör beim Sprachverstehen und für das natürliche Hörempfinden von großer Bedeutung ist, wurden in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, um das Insertionstrauma zu verringern. Dieses setzt sich aus der mechanischen Zerstörung intracochleärer Strukturen durch das Implantat sowie durch den entstehenden Druck zusammen. Da bisherige Messungen der während der Insertion entstehenden Druckänderungen hauptsächlich auf Untersuchungen in artifiziellen Cochlea-Modellen beruhen, ist es das Ziel der vorliegenden Studie, insertionsassoziierte intra-cochleäre Druckmuster in der Cochlea des Meerschweins zu beschreiben. Darüber hinaus soll untersucht werden, welche Rolle die entstehende Druckänderung bei potenziell restgehörschädigenden Prozessen, wie dem Verlust von Spiral-Ganglion-Neuronen oder dem Umfang der Fremdkörperreaktion, spielt.

Methoden: Die Evaluierung der bei der Insertion eines Cochlea-Implantats entstehenden Druckänderungen wurde an Cochleae von Meerschweinchen durchgeführt. Hierzu wurde ein faseroptischer Drucksensor über eine Cochleostomie in die mediale Windung der Cochlea eingeführt und mit Silikon abgedichtet. Die Druckmessungen erfolgten anschließend bei einer Insertionsgeschwindigkeit von 1 mm/s bzw. 0,2 mm/s. Um die bei der Implantation beobachteten Druckänderungen kontralateral zu imitieren, wurde eine Mikroliterspritze an einer Cochleostomie in der basalen Windung abgedichtet. Über einen Mikromanipulator wurde der Stempel der Spritze so vorgeschoben, dass der in die Cochlea applizierte Druck einer Elektrodeninsertion entspricht. Nach zehn Tagen erfolgte die histologische Analyse der Dichte der Spiral-Ganglion-Neuronen sowie des Umfangs der Fremdkörperreaktion auf beiden Seiten.

Ergebnisse: Die bei der Implantation gemessenen Druckmuster zeigten eine durchschnittliche Druckspitze von 1,3 mmHg bei einer Insertionsgeschwindigkeit von 1 mm/s sowie eine signifikant geringere Druckspitze von 0,7 mmHg bei einem Vorschub von 0,2 mm/s. Diese Druckänderungen ließen sich kontralateral imitieren, wobei kein signifikanter Unterschied zwischen den Druckspitzen der Implantation und der Applikation des reinen Drucks festgestellt werden konnte. Der histologische Vergleich der Spiral-Ganglion-Neuronen-Dichte sowie des Umfangs der Fremdkörperreaktion werden vorgestellt.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass die Insertion eines Cochlea-Implantats zu erheblichen intracochleären Druckänderungen in der medialen Windung führt. Zudem konnte belegt werden, dass die entstehende Druckspitze von der Insertionsgeschwindigkeit abhängig ist. Die histologischen Analysen werden klären, ob der Druck allein einen Einfluss auf die Dichte der Spiral-Ganglion-Neuronen sowie den Umfang der Fremdkörperreaktion ausübt.