28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Einfluss der Cochlea-Abdeckung auf das Sprachverstehen bei einseitiger Taubheit, bimodaler Versorgung und bilateraler Cochlea-Implantation: Eine retrospektive CT-basierte Analyse zur individuellen Optimierung der Elektrodeninsertion
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Fragestellung: Die anatomische Variabilität der Cochlea erfordert eine individualisierte Elektrodenauswahl bei Cochlea-Implantaten (CI). Obwohl ein möglicher Zusammenhang zwischen der cochleären Abdeckung (Cochlea-Coverage, CC) und Sprachverstehen beschrieben wurde, fehlten Analysen, die unterschiedliche CI-Patientengruppen – einseitig ertaubte (Single-Sided Deafness, SSD), bimodal versorgte und bilateral implantierte Personen – getrennt betrachten. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der CC auf das Sprachverstehen innerhalb des ersten Jahres nach Implantation gruppenspezifisch zu untersuchen.
Methoden: Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurden präoperative CT-Datensätze von 131 Implantierten mit vollständig inserierten MED-EL-Elektroden (FLEX28, FLEXSOFT, STANDARD) mittels OTOPLAN-Software analysiert. Die individuelle CC wurde relativ zur vollständigen Cochlea-Duktus-Länge (CDL) berechnet. Für jede Patientengruppe wurde anhand des Medians ein Cut-off für „kürzere“ und „längere“ CC festgelegt (SSD und bimodal: 65%, bilateral: 70%). Das Sprachverstehen wurde anhand des Freiburger Einsilbertests zu mehreren Zeitpunkten innerhalb der ersten 12 Monate nach Aktivierung verglichen.
Ergebnisse: SSD-Patientinnen zeigten bei längerer CC ein signifikant besseres Sprachverstehen bereits zur Erstaktivierung (20,0 ± 28,9% vs. 31,5 ± 24,7%; p = 0,04). Dieser Vorteil glich sich nach 12 Monaten an. Für bimodal und bilateral implantierte Patientinnen ergab sich zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Nutzen einer längeren CC. Auch die Analyse verschiedener Elektrodenlängen ergab keine systematischen Unterschiede.
Schlussfolgerungen: Ein tieferes Einführen der Elektrode scheint insbesondere für SSD-Nutzer einen frühen Vorteil im Sprachverstehen zu bieten, wohingegen für bimodale und bilaterale CI-Nutzer kein eindeutiger Effekt nachweisbar ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, CI-Patientengruppen getrennt zu analysieren und die Elektrodenwahl patientenspezifisch zu optimieren. Aufgrund der Heterogenität einzelner Gruppen sowie potenzieller Einflussfaktoren – etwa Dauer der Taubheit oder Hörbiografie – sind weitere prospektive Studien mit größeren Kohorten erforderlich.



