28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
„Normal“ sein müssen oder Besonders sein dürfen! Von Hürden der Identitätsentwicklung für Kindern mit Hörschädigung in der Inklusion
Text
Durch die Früherkennung der Hörschädigung und frühen Versorgung mit technischen Hörhilfen haben Kinder heute eine deutlich größere Chance auf erfolgreiche Hör-Sprachentwicklung bis hin zu altersgerechten Entwicklungsverläufen. Über 90% ihrer Eltern sind hörend und äußern in der Frühintervention oft den Wunsch, dass ihr Kind „ganz normal“ – das heißt „unter Hörenden“ aufwachsen soll. Das gesellschaftlich internalisierte Stereotyp von „hörgeschädigt“ ist oft negativ besetzt und davor möchten sie ihr Kind häufig bewahren [1]. Dieser Wunsch spiegelt sich dann auch in der Tatsache wider, dass viele Kinder mit Hörschädigung mittlerweile in Kindergärten und Schulen inklusiv betreut werden und werden können.
Wie entwickelt sich die Identität dieser Kinder? Der Wunsch „Hören zu können“ und keine Hörgeräte/Cochlea Implantate mehr zu benötigen ist ein Ergebnis einer Befragung inklusiv beschulter Kinder mit Hörschädigung [2]. Für die Entwicklung eines ausgewogenen Selbstkonzeptes fehlen meist zusätzliche Begegnungen mit anderen Kindern, die ebenfalls eine Hörschädigung haben. Solche Kontakte zu ermöglichen, zum Beispiel in der Freizeit (Selbsthilfe) oder durch inklusive Beschulung in Schwerpunktklassen oder Schwerpunktschulen werden daher empfohlen [2], [3].
Der Vortrag gibt Einblick in verschiedene psychologische Theorien und Annäherungen an das Thema der Identitätsentwicklung, sowie zu nationalen und internationalen Forschungsergebnissen zu diesem Aspekt [1], [2], [3]. Vorschläge zur Unterstützung einer ausgewogenen Identitätsentwicklung durch Angebote in der Frühintervention, in der Elternarbeit und pädagogischen Arbeit in Kindergärten und Schulen werden dargelegt [2], [3].
Literatur
[1] Meyer B. Anders - Was wir aus der Psychologie über den Umgang mit Unterschieden lernen können. Ullstein: Berlin; 2025.[2] Gräfen C. Soziale Situation von Schülern mit Hörschädigung an allgemeinen Schulen. Sprache-Stimme-Gehör. 2019;43(03):144-149. DOI: 10.1055/a-0893-2964
[3] Wessel J, Gräfen C. Psychosoziale Entwicklung. In: Leonhardt A, Hrsg. Inklusion im Förderschwerpunkt Hören. Stuttgart: Kohlhammer; 2018.



