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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Optimierte Ankopplung in der Hörgeräteanpassung durch okklusionsminimierende, geschlossene Otoplastiken – Communityprojekt OPAHOGO

Florian Denk - Deutsches Hörgeräte Institut GmbH, Lübeck, Deutschland
Anja Eichenauer - Hörakustik Jens Pietschmann GmbH, Frankfurt a. M., Deutschland
Jens Pietschmann - Hörakustik Jens Pietschmann GmbH, Frankfurt a. M., Deutschland
Steffen Kreikemeier - Hochschule Aalen, Aalen, Deutschland

Text

Die Leistungsfähigkeit von Hörgeräten hinsichtlich ihrer Verstärkung und Wirksamkeit der Signalverarbeitungs[Ga1] -Features wird maßgeblich durch die Ankopplung an das Ohr bestimmt. Hier ist aus technischer Sicht eine möglichst geschlossene Ankopplung nötig, da dadurch der Einfluss von Direktschall minimiert, und eine gute Wiedergabe im Frequenzbereich unter 1 kHz ermöglicht, und die Wahrscheinlichkeit von Rückkopplungen verringert wird [1]. Aus Gründen des Tragekomforts wird in der Praxis jedoch häufig eine Belüftung bis hin zur offenen Versorgung gewählt, die entsprechende Nachteile in der Leistungsfähigkeit des Hörgeräts mit sich bringt. In der Praxis wird daher oft ein Kompromiss gewählt, etwa nach dem Lehrsatz „So offen wie nötig, so geschlossen wie nötig“, oder auch umgekehrt [2]. In jüngerer Zeit konnte in eigenen Vorarbeiten gezeigt werden, dass durch spezielle Otoplastiken insbesondere der Okklusionseffekt ohne Einfügen einer Belüftung verringert werden kann. Dadurch werden potenziell geschlossene Ankopplungen mit gleichzeitig hohem Tragekomfort möglich. Die grundlegenden Ansätze hierzu sind schon länger bekannt [3], finden in der Praxis aber immer noch wenig Anwendung. Zudem fehlt bisher klinische Evidenz für einen Vorteil solcher Otoplastiken in realen Hörgeräteversorgungen.

In diesem Beitrag wird der aktuelle Stand der Technik und Forschung zur Ankopplung von Hörgeräten und ihren Auswirkungen, sowohl auf die Hörgeräte-Leistungsfähigkeit als auch die eigene Stimme zusammengefasst. Darauf aufbauend wird ein Ausblick auf die Arbeiten im kommenden Community-Projekt „OPAHOGO“ gegeben. Diese umfassen Untersuchungen zur anspruchsvollen Fertigung von okklusionsminimierenden Otoplastiken, Untersuchungen zum Einfluss der Ankopplung auf die Leistungsfähigkeit aktueller Hörgeräte, und eine Erfassung des Vorteils von okklusionsminimierenden Otoplastikdesigns in realen Hörgeräteversorgungen. Ziel des Projektes ist es zudem einen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis in Form von Handlungsanweisungen und Templates für Otoplsatikgeometrien zur digitalen Fertigung bereitzustellen.


Literatur

[1] Denk F, Hieke T, Roberz M, Husstedt H. Occlusion and coupling effects with different earmold designs - all a matter of opening the ear canal? Int J Audiol. 2023 Mar;62(3):227-237. DOI: 10.1080/14992027.2022.2039966
[2] Dillon H. Hearing Aids. 2nd ed. Turramurra: Boomerang Press; 2012.
[3] Killion MC, Wilber LA, Gudmundsen GI. "Zwislocki was Right". Hear. Instrum. 1988;39(1):14–18.