28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Communityprojekt OptiRaum: Sprachaudiometrie in Fachgeschäftsräumen im Vergleich zu Laborumgebungen
Text
Die Sprachaudiometrie ist ein fester Bestandteil der Hörgeräteanpassung. Für die Validierung der Hörgeräteversorgung kommt in der Praxis meist der Freiburger Einsilbertest (FBE) im Störschall zum Einsatz [1]. In Hörakustik-Fachgeschäften werden hierbei eine Vielzahl verschiedener Lautsprecherkonfigurationen verwendet. In der Hilfsmittelrichtlinie wird dabei keine Angabe über die zu verwendende räumliche Konfiguration der Lautsprecher getätigt. Als raumakustische Anforderung für audiologische Testräume gibt die ISO 21388-1 lediglich eine maximale Nachhallzeit von 0,5 s bei 500 Hz und eine minimale Grundfläche von 10 m2 sowie ein minimales Volumen von 25 m3 an.
Das Communityprojekt OptiRaum hat in diesem Zusammenhang das Ziel, die Faktoren Raumakustik, Lautsprecherkonfiguration und Hörgeräteverarbeitung unter realen akustischen Bedingungen von Fachgeschäftsräumen auf die Messung des Sprachverstehens mit und ohne Hörgeräte zu untersuchen. Dies ist motiviert aus einem vorangegangenen Projekt, in dem Referenzkurven für den FBE mit Normalhörenden in verschiedenen Lautsprecherkonfigurationen in Laborumgebungen bestimmt wurden [2]. Hier zeigte sich bereits bei geringen Nachhallzeiten ein signifikanter Effekt der Raumakustik auf das Sprachverstehen, insbesondere bei räumlicher Trennung von Sprache und Störschall.
In dem Communityprojekt ist der erste Schritt die Erfassung von akustischen Eigenschaften eines typischen Fachgeschäftsraumes. Dafür wurden in insgesamt zehn Fachgeschäftsräumen in Lübeck und Oldenburg Messungen der Nachhallzeit nach ISO 3382-2 durchgeführt. Für die Nachbildung eines typischen Fachgeschäftsraumes in Lübeck sowie in Oldenburg, wurde jeweils ein Raum akustisch so modifiziert, dass der Frequenzgang der Nachhallzeit dem Mittel der zehn vermessenen Fachgeschäftsräume entspricht. In diesen typischen Anpassräumen erfolgt die Bestimmung von Referenzkurven für den FBE für verschiedene Lautsprecherkonfigurationen, welche bereits in [2] verwendet wurden.
Weiter werden die Faktoren Raumakustik und Lautsprecherkonfiguration bei Nutzung einer simulierten Hörgeräteversorgung mit hörbeeinträchtigten Probanden unter akustischen Bedingungen wie in typischen Fachgeschäftsräumen im Hinblick auf die Hörgerätevalidierung analysiert. Dies wird sowohl in realen Messungen, als auch in simulierten Testumgebungen durchgeführt, um die Nutzung von Simulationen für die Untersuchung von raumakustischen Faktoren zu prüfen. Ergänzend werden Kundendaten von Hörakustikern anonymisiert erfasst und ebenfalls in Bezug auf einen Einfluss der Raumakustik und der Lautsprecherkonfiguration analysiert.
Als Ziel des Communityprojekts sollen die erworbenen Erkenntnisse Hörakustikerinnen und Hörakustikern in Form einer Leitlinie zur Verfügung gestellt werden, damit Sprachaudiometrie noch effizienter im Rahmen der Hörgerätevalidierung eingesetzt werden kann.
Literatur
[1] Warkentin L, Holube I, Winkler A, Denk F, Sankowsky-Rothe T, Blau M, Husstedt H. Verwendung von Sprachtests im Freifeld in Deutschland. GMS Z Audiol (Audiol Acoust). 2024;6:Doc09. DOI: 10.3205/zaud000044[2] Winkler A, Warkentin L, Denk F, Husstedt H, Sankowksy-Rothe T, Blau M, Holube I. Reference Speech-recognition curves for a German monosyllabic test in noise: effects of loudspeaker configuration and room acoustics. Int J Audiol. 2025 Jul;64(7):695-704. DOI: 10.1080/14992027.2024.2401519



