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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Einfluss von stationärem und fluktuierendem Störgeräusch auf das Sprachverstehen: Herausforderungen für die modellbasierte Hördiagnostik

Dirk Oetting - Hörzentrum Oldenburg gGmbH, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Theresa Jansen - Hörzentrum Oldenburg gGmbH, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Christopher F. Hauth - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Saskia Ibelings - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Jonte Kriebel - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Sven Kissner - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Thomas Brand - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Kirsten C. Wagener - Hörzentrum Oldenburg gGmbH, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Inga Holube - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland

Text

Motivation: Menschen mit ähnlichen audiometrischen Hörverlusten können sich im Sprachverstehen im Störgeräusch deutlich voneinander unterscheiden. Auch mit einer Hörgeräte-Versorgung werden große individuelle Unterschiede beim Sprachverstehen im Alltag berichtet [1].

Fragestellung: In dieser Studie wurde das Sprachverstehen im Störgeräusch über Kopfhörer gemessen, nachdem die binaurale breitbandige Lautheitswahrnehmung normalisiert wurde. Der Einfluss von Fluktuationen im Störgeräusch und räumlicher Trennung von Zielsprache und Störgeräuschen auf die individuellen Unterschiede im Sprachverstehen wurde untersucht.

Methoden: Messungen über Kopfhörer wurden mit 20 Probanden ohne Hörverlust (NH) als Referenzgruppe und 83 Probanden mit Hörverlust (SH) in den Bisgaard-Klassen N1 bis N4 und S1 bis S3 durchgeführt.

Mit der Anpassmethode trueLOUDNESS wurde die individuelle binaurale breitbandige Lautheitswahrnehmung gemessen und die ermittelten Verstärkungswerte pegel- und frequenzabhängig angewendet. Anschließend wurde mit dem deutschen Matrixtest (OLSA) Sprachverstehen im Störgeräusch über Kopfhörer gemessen. Die Messkonditionen beinhalteten stationäres und fluktuierendes Störgeräusch. Das Störgeräusch wurde von vorne oder von +/- 60° präsentiert. Für die räumliche Darbietung über Kopfhörer wurde mit Hilfe von HRTFs ein realer Messraum simuliert.

Ergebnisse: Für die mit trueLoudness versorgten NH- und SH-Gruppen zeigt sich, dass fluktuierendes Störgeräusch die NH- und SH-Gruppe deutlicher trennt als stationäres Störgeräusch. Eine Verschlechterung des Sprachverstehens gegenüber NH konnte mit dem fluktuierenden Störgeräusch für geringgradige Hörverluste (N1, N2, S1, S2) gezeigt werden. Nur ein N1-Proband lag im Bereich der NH. Beim stationären Störgeräusch lagen 38% der Probanden mit geringgradigem Hörverlust im NH-Bereich.

NH und geringgradige Hörverluste (N1, N2, S1, S2) profitierten vom „listening-in-the-dips“ beim fluktuierenden Störgeräusch im Vergleich zum stationären Störgeräusch. Die höheren Hörverlustgruppen N3 und N4 zeigten im Mittel eine Verschlechterung des Sprachverstehens im fluktuierenden Störgeräusch im Vergleich zum stationären Störgeräusch. Die individuelle Streuung war in der N3- und N4-Gruppe höher ausgeprägt als in den anderen Gruppen.

Die Modellierung der Ergebnisse mit dem „Binaural Speech Intelligibility Model“ (BSIM) konnte den Effekt einer Verschlechterung der Sprachverständlichkeit im fluktuierenden im Vergleich zum stationären Störgeräusch nicht abbilden. Auch die großen individuellen Unterschiede konnten nicht mit dem bestehenden Modell abgebildet werden.

Schlussfolgerungen und Diskussion: Zum Nachweis einer Hörminderung beim Sprachverstehen eignet sich das fluktuierende Störgeräusch besser als das stationäre. Modellerweiterungen sind notwendig, um Unterschiede zwischen stationärem und fluktuierendem Störgeräusch auf individueller Basis im Modell zu berücksichtigen.


Literatur

[1] Fitschen C. Hörgeräteversorgung bei Schwerhörenden mit Geräuschüberempfindlichkeit [Masterarbeit]. Oldenburg: Universität Oldenburg; 2019.