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59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Zwei Seiten derselben Medaille: Rekrutierungserfolg und wahrgenommene Arbeitsbelastung in allgemeinmedizinischen Studien – Erkenntnisse aus der Studie „AgeWell.de“

Linda Sanftenberg - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Robert Philipp Kosilek - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Lorenz Birnbeger - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Hannah Schillok - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Felix Wittmann - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, AG Epidemiology & Population Brain Health, Leipzig, Deutschland
Melanie Luppa - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, AG Epidemiology & Population Brain Health, Leipzig, Deutschland
Anne Blawert - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE), Standort Rostock/Greifswald, Rostock, Deutschland
Melanie Boekholt - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE), Standort Rostock/Greifswald, Rostock, Deutschland
Christian Brettschneider - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Hamburg, Deutschland
Hans-Helmut König - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Hamburg, Deutschland
Alexander Bauer - Profilzentrum Gesundheitswissenschaften (PZG), Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Solveig Weise - Profilzentrum Gesundheitswissenschaften (PZG), Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Thomas Frese - Profilzentrum Gesundheitswissenschaften (PZG), Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Hanna Kaduszkiewicz - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Allgemeinmedizin, Kiel, Deutschland
Johanna Doehring - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Allgemeinmedizin, Kiel, Deutschland
Catharina Escales - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Allgemeinmedizin, Kiel, Deutschland
Jochen René Thyrian - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE), Standort Rostock/Greifswald, Rostock, Deutschland; Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Greifswald, Deutschland
Birgitt Wiese - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
Steffi G. Riedel-Heller - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, AG Epidemiology & Population Brain Health, Leipzig, Deutschland
Jochen Gensichen - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Rekrutierung von Patienten durch Hausärzte ist eine zentrale Herausforderung für allgemeinmedizinische Studien. Das Verständnis darüber, wie berufliche, praktische und regionale Charakteristika die Rekrutierung durch die Hausärzte und die damit verbundene Arbeitsbelastung beeinflussen, könnte helfen, Teilnahmestrategien zu optimieren.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie ist es, Barrieren und Förderfaktoren für die Patientenrekrutierung in allgemeinmedizinischen Studien am Beispiel der klinischen Studie „AgeWell.de“ zu identifizieren.

Material und Methoden: Es wurden öffentlich zugängliche Daten zu den hausärztlichen Praxisteams erhoben, die an der Studie „AgeWell.de“ teilgenommen hatten. Dazu gehörten soziodemografische Merkmale der Praxisinhaber, Praxisstrukturdaten und sozioökonomische Indikatoren der jeweiligen Praxisstandorte. Diese Daten wurden mit dem jeweiligen Patientenrekrutierungserfolg und Umfragedaten zur subjektiv empfundenen Arbeitsbelastung durch die Studienteilnahme verglichen.

Ergebnisse: Von den 120 hausärztlichen Praxen sind insgesamt 1.173 Patienten rekrutiert worden. Die Zahl rekrutierter Patienten pro Praxis variierte deutlich. So rekrutierten 20% der hausärztlichen Praxisteams jeweils 42,1% bzw. 3,2% aller Patienten. Hausärztliche Praxisteams, deren Praxisinhaber bereits promoviert war, rekrutierten mehr Patienten (p < 0,05). Weiterhin war eine höhere Anzahl von rekrutierten Patienten mit einer subjektiv höheren wahrgenommenen Arbeitsbelastung durch die Studienteilnahme assoziiert (p < 0,1). Größere Praxisteams mit mehreren Mitarbeitenden berichteten eine geringere Arbeitsbelastung durch die Studienteilnahme (p < 0,1).

Diskussion: Die Rekrutierungsleistung von hausärztlichen Praxisteams und die wahrgenommene Arbeitsbelastung sind eng miteinander verknüpft und werden sowohl durch die individuelle Forschungserfahrung als auch durch strukturelle Unterstützung beeinflusst. Die überproportional hohe Belastung einer kleinen Gruppe von Hausärzten bei der Rekrutierung macht deutlich, dass Strategien zur verbesserten Einbindung rekrutierungsschwacher hausärztlicher Praxisteams nötig sind.

Take Home Message für die Praxis: Die Stärkung praxisbezogener Forschungsnetzwerke, der Abbau administrativer Hürden und die Verbesserung des Zugangs zur Forschungsausbildung im Medizinstudium könnten dazu beitragen, dass die aktive Beteiligung hausärztlicher Praxisteams an der Forschung verbessert wird.