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59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Wie gehen Menschen mit Long COVID mit ihren Symptomen und Alltagseinschränkungen um? Eine qualitative Studie mit vier Fokusgruppen

Katharina Vieth - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Eva Hummers - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Sascha Roder - Hochschule Bielefeld – University of Applied Sciences and Arts, Fachbereich Sozialwesen, Bielefeld, Deutschland
Frank Müller - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Greta Sophie Wegener - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Christina Müllenmeister - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Iman El-Sayed - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Gloria Königs - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Dominik Schröder - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Tim Schmachtenberg - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland; Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund: Die heterogenen und in ihrer Intensität fluktuierenden Long COVID-Symptome stellen Patient:innen und Behandler:innen vor Herausforderungen, da kausale Behandlungsoptionen fehlen. Trotz Symptomen im Alltag zurechtzukommen und die Funktionsfähigkeit zu erhalten, ist das Ziel von supportiven Therapien.

Zielsetzung/Fragestellung: Diese qualitative Studie untersucht, wie Betroffene mit der Erkrankung, ihren Beschwerden sowie den Alltagseinschränkungen umgehen und inwieweit sie Copingstrategien anwenden. Die Identifikation von als hilfreich empfundenen Copingstrategien und deren wahrgenommener Nutzen sind für Behandler:innen wichtig, da diese Informationen als Ausgangspunkt dienen können, um gemeinsam mit Patient:innen Ansätze zur Beschwerdereduktion zu entwickeln.

Material und Methoden: In einer qualitativen Studie wurden vier Fokusgruppen mit 23 erwachsenen Long COVID-Betroffenen durchgeführt. Die Auswertung der aufgezeichneten und transkribierten Gruppendiskussionen erfolgte anhand der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz.

Ergebnisse: Die Teilnehmenden nutzten die Ressourcen des Gesundheitssystems, entwickelten aufgrund der Unzufriedenheit mit der medizinischen Versorgung jedoch eigene Strategien im Umgang mit Long COVID. Diese umfassten ein Energie- und Ressourcenmanagement, körperliche Aktivität, die Erweiterung von Gesundheitskompetenzen, eine Änderung der Denkweise und Lebenseinstellung, den Infektionsschutz, die Nutzung von Hilfsmitteln und Ernährungsumstellungen.

Diskussion: Diese Studie verdeutlicht, dass Menschen mit Long COVID vielfältige Strategien anwenden, um ihren Beeinträchtigungen im Alltag zu begegnen. Zur Optimierung physischer und mentaler Ressourcen waren zentrale Ansätze der Betroffenen „Pacing“-Strategien, individuell angepasste Bewegung mit differenzierten Effekten sowie Ernährungsanpassungen, die teils symptomlindernd wirkten. Zudem übernahmen viele Betroffene eine aktive Rolle in ihrer Gesundheitsversorgung, um Versorgungslücken zu kompensieren. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individualisierter Strategien und einer ärztlichen Begleitung, die auf Selbstmanagement, Gesundheitskompetenz und potenzielle Risiken eigeninitiierter Maßnahmen eingeht.

Take Home Message für die Praxis: Die Behandlung von Long COVID kann aus Sicht der Befragten von individuell angepassten Copingstrategien profitieren. Behandler:innen sollten individualisierte Ansätze fördern und Patient:innen beim Selbstmanagement sowie der sicheren Umsetzung eigeninitiierter Maßnahmen begleiten.