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59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) e.V.
01.-03.10.2025
Hannover

Meeting Abstract

Ulcus Cruris Care: evidenzbasierte und patientenzentrierte Versorgung des ulcus cruris venosum in der Hausarztpraxis – Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie

Jonas Senft - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Thomas Fleischhauer - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Uwe Müller-Bühl - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Lisa Weller - aQua-Institut, Deutschland
Regina Poß-Doering - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Manuel Feißt - Universität Heidelberg, Institut für Medizinische Biometrie, Heidelberg, Deutschland
Attila Altiner - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Gunter Laux - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Joachim Szecsenyi - Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland

Text

Hintergrund: Das ulcus cruris venosum führt für betroffene Patient:innen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Alltagsteilhabe und Lebensqualität. Evident wirksame Maßnahmen wie die Kompression oder Förderung der Mobilität werden in der Versorgungsrealität nur selten umgesetzt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Projektes Ulcus Cruris Care (UCC) war die Etablierung und Evaluation eines hausärztlichen Versorgungskonzepts zur Unterstützung einer evidenzbasierten und patientenzentrierten Behandlung des ulcus cruris venosum.

Material und Methoden: Die Intervention UCC umfasste eine Online-Schulung für Praxisteams, ein softwaregestütztes Fallmanagement sowie die Bereitstellung einer Patientenschulung. 44 teilnehmende hausärztliche Praxen wurden 1:1 randomisiert. Rekrutierungsziel war der Einschluss von 126 Patient:innen bei einer Nachbeobachtungszeit von 12 Monaten. Hauptzielkriterium war die Wundheilung bestätigt durch 2 unabhängige und verblindete Untersucher. Die Nebenzielkriterien umfassten u.a. die leitliniengerechte Verordnung von Kompressionsmitteln, Lebensqualität (EQ-5D-5L), Depressivität (PHQ9) und Kosten.

Ergebnisse: Die Odds Ratio für die Wundheilung betrug 3,17 [1,78–5,65] zugunsten der Interventionsgruppe (p<0,001). Eine leitliniengerechte Kompressionstherapie erfolgte in 72,2% der Fälle (IG) gegenüber 33,3% (KG; p=0,010). Der Lebensqualitätsindex nach 12 Monaten lag bei 0,78±0,23 (IG) vs. 0,60±0,39 (KG; p=0,054), die Depressivität bei 5,3±6,1 (IG) vs. 10,0±6,9 (KG; p=0,019). Die fallbezogenen ambulanten Kosten waren in der Interventionsgruppe signifikant niedriger (1.457±917 € vs. 3.153±1.843 €; p=0,016).

Diskussion: Der UCC-Trial belegt die Wirksamkeit des Konzepts in Bezug auf Wundheilung, psychische Gesundheit und Kosteneffizienz. Das entwickelte Versorgungskonzept bietet großes Potenzial zur Verbesserung der ambulanten Versorgung chronischer Wunden auf hausärztlicher Ebene.

Take Home Message für die Praxis: Hausärztliche Praxen können in der Versorgung des ulcus cruris venosum eine zentrale und wirksame Rolle einnehmen. Die strukturierte Schulung von Ärzt:innen und nicht-ärztlichen Fachkräften sowie ein patientenzentrierter Behandlungsansatz sind wirksame Methoden zur Verbesserung der Versorgungsqualität.