Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Primäres vitreoretinales Lymphom: Dynamik der IL-10-Konzentration und Visusentwicklung unter Therapie
Text
Hintergrund: Das primär vitreoretinale Lymphom (PVRL) ist eine seltene, hochaggressive Form des primären ZNS-Lymphoms und kann klinisch einer chronischen Uveitis (Uveitis-Masquerade) ähneln. Ohne frühzeitige Therapie drohen rascher Visusverlust und ZNS-Beteiligung. Erhöhtes Interleukin (IL)-10 im Kammerwasser sowie ein IL-10/IL-6-Quotient >1 gelten als sensitive und spezifische diagnostische Marker.
Methoden: In einer monozentrischen retrospektiven Analyse wurden acht Patient:innen mit gesichertem PVRL untersucht. Bestimmt wurden IL-10 und IL-6 Konzentrationen im Vorderkammerpunktat bei Diagnosestellung und im Verlauf. Die Nachsorge erfolgte quartalsweise mittels Spaltlampenuntersuchung und Makula-OCT; Vorderkammerpunktionen wurden zur Therapiekontrolle und bei Rezidivverdacht durchgeführt. Die Therapie erfolgte systemisch (R HD MTX n=2; MATRIX n=3, R DeVIC n=1) oder lokal (intravitreal MTX n=1, okuläre Radiotherapie n=1).
Ergebnisse: Bei sieben von acht Patient:innen waren prätherapeutisch IL-10 (>40 pg/ml) und der IL-10/IL-6-Quotient (>1) erhöht. In der OCT zeigten sich bei ebenfalls sieben Patient:innen typische Veränderungen. Nach Therapiebeginn fiel die IL-10-Konzentration bei allen unter die Nachweisgrenze, unabhängig vom Therapiekonzept. Der Visus verbesserte sich im Mittel um 0,38 logMAR (±0,76). Drei Patient:innen entwickelten nach durchschnittlich 11,0 (±4,6) Monaten ein Rezidiv.
Schlussfolgerung: Das PVRL ist eine seltene, aber hochrelevante aggressive Erkrankung. Die primäre Diagnostik sowie das Therapieansprechen und der Erkrankungsverlauf lassen sich mit der IL-10 Konzentration und dem IL-10/IL-6-Quotienten im Vorderkammerpunktat überwachen. Sowohl systemische als auch lokale Therapiekonzepte führen initial zu einer Remission der Erkrankung mit Visusanstieg.



