Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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T-T-T: Okuläre Toxoplasmose, Tuberkulose und Lues – klinische Muster und differenzialdiagnostische Schlüsselbefunde
Text
Ziel und Hintergrund: Okuläre Infektionen durch Toxoplasma gondii, Mycobacterium tuberculosis und Treponema pallidum stellen eine zunehmende Herausforderung dar. Immunoseneszenz und veränderte epidemiologische Muster führen zu einer steigenden klinischen Relevanz. Die Differenzialdiagnose ist essenziell, da die klinischen Manifestationen überlappen und unbehandelt irreversible Schäden drohen.
Methoden: Es erfolgte eine retrospektive Auswertung von 296 Patienten mit okulärer Toxoplasmose, 22 Patienten mit okulärer Tuberkulose und 19 Patienten mit okulärer Lues, die über einen Zeitraum von >5 Jahren betreut wurden.
Klinische Merkmale: Die Toxoplasmose zeigte sich überwiegend als fokale retinochoroidale Läsion mit ausgeprägter Vitritis. Tuberkulosepatienten präsentierten granulomatöse Uveitiden, choroidale Herde und retinal-vaskulitische Veränderungen. Die Lues präsentierte sich klinisch sehr heterogen, es dominierten papilläre Beteiligungen und multifokale retinale Läsionen.
Diagnostisches Vorgehen: Die Diagnostik basierte auf klinischer Untersuchung, multimodaler Bildgebung (OCT, Fluoreszenzangiographie) sowie serologischer und intraokularer Erregerdiagnostik. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Infektiologie und Labormedizin war erforderlich, um Fehldiagnosen zu vermeiden.
Prognose: Unter frühzeitiger, erregerspezifischer Therapie (antimikrobiell±adjuvant antientzündlich) konnte in der Mehrzahl der Fälle eine Stabilisierung oder Verbesserung des Visus erreicht werden. Verzögerte Diagnosen führten hingegen häufiger zu bleibenden Schäden.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer strukturierten Differenzialdiagnose bei okulären Infektionen.



