Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
Chronologischer Verlauf der Frühgeborenen-Retinopathie – eine retrospektive Analyse der Behandlungsverläufe
2Potsdam – Health and Medical University, Campus Potsdam
Text
Die Retinopathia praematurorum (ROP) ist eine potenziell schwerwiegende vaskuläre Netzhauterkrankung bei Frühgeborenen, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Sie entwickelt sich in einem sensiblen Zeitfenster nach der Geburt und erfordert engmaschige augenärztliche Kontrollen sowie gegebenenfalls eine zeitgerechte Behandlung. Klassische Studien fokussieren sich häufig auf das Stadium oder die Häufigkeit der Erkrankung – weniger jedoch auf die individuellen zeitlichen Verläufe. In dieser retrospektiven Studie wurden die individuellen Verläufe von 23 Frühgeborenen mit ROP analysiert. Ziel war es, durch eine chronologische Darstellung nicht nur absolute Häufigkeiten von Untersuchungen und Behandlungen zu erfassen, sondern Einblicke in die Dynamik der Erkrankung über die Zeit hinweg zu gewinnen.
Ergebnisse: Knapp 90% der Kohorte waren extrem frühgeboren (<28. Schwangerschaftswoche), mit einem durchschnittlichen Gestationsalter von 25 Wochen und 2 Tagen bei der Geburt. Die Screening-Untersuchungen erfolgten mit einem Abstand von 1 bis 2 Wochen bis durchschnittlich zur 56. Woche (postmenstruelles Alter). Danach verlängerte sich dieser Abstand und die Follow-up-Untersuchungen endeten durchschnittlich bei 69 Wochen und 1 Tag. 35% der Patienten wurden über 20 Mal, circa die Hälfte 15–20 Mal und nur 15% unter 15 Mal im wöchentlichen bis zweiwöchentlichen Rhythmus untersucht. Über 85% der Kinder erhielten eine beidseitige Behandlung. Von den untersuchten Augen erhielten ca. 50% einmalig eine intravitreale Injektion von Ranibizumab (Lucentis®) und etwa 25% erhielten zwei Injektionen. Das durchschnittliche postmenstruelle Alter bei der ersten Lucentis-Injektion lag bei 37 Wochen und 1 Tag und bei der zweiten Lucentis-Injektion bei 42 Wochen und 5 Tagen. Zusätzlich erhielten 30% der Kinder eine Laserkoagulation (LAKO), meist im späteren Verlauf, im Durchschnitt bei 57 Wochen und 2 Tagen.
Schlussfolgerung: Die chronologische Betrachtung der Verläufe liefert wertvolle Informationen zum Management der ROP. Sie zeigt, wie lange und intensiv betroffene Kinder betreut werden müssen und wann im Verlauf therapeutische Maßnahmen erforderlich werden.



