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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

63er-Gelimplantat in der filtrierenden Glaukomchirurgie: eine retrospektive Ein-Jahres-Analyse von Tensio- und Visusverlauf sowie postoperativen Komplikationen

Danai Kruse 1
S. Popa 1
L. Partzsch 1
E. Bertelmann 1
A.-K.B. Maier-Wenzel 1
S. Winterhalter 1
1Berlin – Klinik für Augenheilkunde, Charité Campus Virchow-Klinikum

Text

Hintergrund: Das 45er-Gelimplantat hat sich in der filtrierenden Glaukomchirurgie als häufiges und gut verträgliches Operationsverfahren seit seiner Zulassung 2016 etabliert. Durch die Möglichkeit der Ab-interno-Implantation stellt es eine minimalinvasive Alternative zur Trabekulektomie dar. Seit 2023 ist auch eine Version des 63er-Gelimplantates erhältlich und wird seitdem in der Charité implantiert.

Methoden: Retrospektive Analyse von 161 Augen vor und nach Behandlung mittels 63er-Gelimplantats am 1. Post-OP-Tag sowie nach 6 Wochen (n=161) und einem Jahr (n=80) hinsichtlich Visus- und Tensioverlauf (IOD). Hierbei wurden sowohl Augen mit on-label Indikationen (primäres Offenwinkelglaukom, PEX-Glaukom, entzündliches Sekundärglaukom) als auch off-label Indikationen (juveniles Glaukom, Engwinkelglaukom, Normaldruckglaukom) eingeschlossen. Zudem untersuchten wir die aufgetretenen Komplikationen (Hypotonie, Glaskörperblutung, Aderhautamotio, malignes Glaukom, Notwendigkeit eines Filterkissenneedlings/Filterkissenrevision sowie postoperative Notwendigkeit lokaler Antiglaukomatosa).

Ergebnisse: Im Mittel sahen wir eine Reduktion des Dezimalvisus von durchschnittlich 0,60 präoperativ (SD 0,30) auf 0,48 (SD 0,31) am ersten postoperativen Tag. Diese Sehverschlechterung war jedoch reversibel: nach 6 Wochen zeigte sich ein durchschnittlicher Visus von 0,61 (SD 0,29) und nach einem Jahr zeigte sich ein Visus von 0,67 (SD 0,30). Insgesamt zeigte sich nach einem Jahr bei 89,1% der Augen keine Visusverschlechterung von mehr als 2 Reihen. Der applanationstonometrisch gemessene IOD sank von durchschnittlich 23,6 mmHg (SD 7,9) präoperativ auf durchschnittlich 6,7 mmHg (SD 4,9) am ersten postoperativen Tag. Nach 6 Wochen bestand ein mittlerer IOD von 10,9 mmHg (SD 5,9) und nach einem Jahr betrug der mittlere IOD 11,4 mmHg (SD 6,0), hier benötigten 13,8% (11 von 80 Augen) der Patienten drucksenkende Augentropfen. Es traten insgesamt bei 121 Augen Komplikationen im stationären Verlauf auf, am häufigsten bestanden eine passagere postoperative Hypotonie (<5 mmHg; 73 Augen, 45,3%) teilweise mit begleitender Aderhautamotio (40 Augen, 24,8%) sowie die Notwendigkeit eines Filterkissenneedlings oder -revision (53 Augen, 32,9%). Deutlich seltener bestand ein malignes Glaukom (9 Augen, 5,6%) oder eine Glaskörperblutung (5 Augen, 3,1%), hier musste zum Komplikationsmanagement bei insgesamt 10 Augen (6,2%) eine Pars-plana-Vitrektomie durchgeführt werden.

Schlussfolgerung: Insgesamt zeigt auch das 63er-Gelimplantat gute postoperative 1-Jahresergebnisse mit deutlicher Tensioreduktion unter größtenteils Tropfenfreiheit. Der Visus zeigt sich nach einem Jahr generell stabil; Folgeoperationen zum Management nicht-reversibler Komplikationen bleiben selten.