Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Telemedizin in der Augenklinik des Werner Forßmann Krankenhauses – Nutzung einer Funduskamera im Notfallzentrum zur Akutversorgung und Prävention
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Hintergrund: Im ländlich geprägten Raum Nordbrandenburg besteht ein signifikanter augenärztlicher Versorgungsengpass. In weiten Teilen der Region fehlen augenärztliche Bereitschaftsdienste in Kliniken vollständig. Die Anzahl der augenärztlichen Notfallvorstellungen ist spürbar hoch, ein erheblicher Teil davon erfolgt außerhalb regulärer Sprechzeiten. Angesichts begrenzter personeller Ressourcen und weiter Wege stellt die augenärztliche Akutversorgung eine besondere Herausforderung dar. Telemedizinische Verfahren können hier zur Effizienzsteigerung und Qualitätssicherung beitragen.
Methoden: Im Werner Forßmann Krankenhaus Eberswalde wurde im Notfallzentrum eine hochauflösende digitale Funduskamera installiert. Die Netzhautaufnahmen werden durch geschultes nicht-ärztliches Personal durchgeführt und in Echtzeit an den diensthabenden Augenarzt übermittelt, der die Befundung auch außerhalb der Präsenzzeiten vornimmt. Das Modell ergänzt das bestehende Bereitschaftssystem, indem es eine kontinuierliche fachärztliche Einbindung auch außerhalb der regulären Präsenzzeiten sicherstellt.
Ergebnisse: Die telemedizinische Integration ermöglicht eine zeitnahe, qualifizierte augenärztliche Erstbeurteilung – insbesondere bei Notfällen mit retinalem oder neuro-ophthalmologischem Bezug. Ein exemplarischer Fall verdeutlicht den Nutzen: Eine Patientin stellte sich mit ZAV-Symptomatik in der Neurologie vor. Durch die umgehend durchgeführte Fundusfotografie konnte eine vaskuläre Genese unmittelbar bestätigt und die Lysetherapie eingeleitet werden – ein Zeitgewinn, der entscheidend für das klinische Outcome war. Zudem fördert das System die interdisziplinäre Zusammenarbeit, insbesondere mit der Neurologie und Inneren Medizin, und erleichtert die Triage bei unklaren Sehstörungen. Die Bildqualität erlaubt auch retrospektive Verlaufskontrollen sowie die Nutzung im Rahmen von präventiven Screening-Programmen.
Schlussfolgerung: Die Implementierung telemedizinischer Bildgebung in der augenärztlichen Notfallversorgung am Werner Forßmann Krankenhaus demonstriert die effiziente und leitliniennahe Versorgung auch bei geringer personeller Verfügbarkeit vor Ort. Neben der Optimierung zeitkritischer Akutdiagnostik eröffnet das Modell langfristige Perspektiven für präventive Versorgungsstrukturen in unterversorgten Regionen. Telemedizinische Ansätze tragen somit entscheidend zur Versorgungsgerechtigkeit, Diagnosesicherheit und ressourcenschonenden Patientensteuerung im Flächenland Brandenburg bei.



