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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

Geschichte der Berliner Ophthalmologischen Gesellschaft während des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik (1893–1933)

Firas Kesser 1
1Berlin – Augenarztpraxis Dr. Amir Karandish und Kollegen

Text

Hintergrund: Am 20. April 1893 gründeten Max Burchardt, Max Perles und Richard Simon die Berliner Ophthalmologische Gesellschaft (BOG). Sie war die erste regionale augenärztliche Fachgesellschaft in Deutschland. Meine Dissertation untersucht die Entwicklung der Gesellschaft von 1893 bis 1933 und analysiert hier die institutionelle Struktur, die Mitgliederentwicklung und die wissenschaftliche Tätigkeit der Gesellschaft.

Fragestellung: Die Dissertation soll folgende Fragen beantworten: Wie entwickelte sich die BOG institutionell und personell in vier Jahrzehnten? Welchen Einfluss hatten das Kaiserreich, der Erste Weltkrieg und die Weimarer Republik auf die BOG? Welche Rolle spielte die BOG bei der Etablierung der Augenheilkunde als eigenständige medizinische Disziplin?

Methodik: Die Arbeit basiert auf historischen Primärquellen. Dazu gehören Sitzungsberichte aus dem „Centralblatt für praktische Augenheilkunde” (1893–1918), den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde” (1893–1933), den „Verhandlungen der Berliner Ophthalmologischen Gesellschaft” (1893–1914), „Die Ophthalmologische Klinik” (1897–1908), der „Klinische Wochenschrift” (1922–1933) sowie der „Zeitschrift für Augenheilkunde” (1899–1918). Die systematische Auswertung der Berliner Adressbücher und des Reichs-Medizinal-Kalenders ermöglichte eine quantitative Erfassung der Berliner Augenärzteschaft.

Bisherige Ergebnisse:

  • Kaiserreich (1893–1918): Die BOG etablierte sich schnell als wissenschaftliches Forum. Sie hielt jährlich 5–10 Sitzungen ab. Die Zahl der Berliner Augenärzte wuchs von 39 im Jahr 1893 auf 79 im Jahr 1900 und erreichte 137 im Jahr 1910. Während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) stellte die BOG ihre eigenständigen Sitzungen ein. Stattdessen tagte sie gemeinsam mit anderen Berliner ärztlichen Vereinigungen unter dem Vorsitz der Berliner Medizinischen Gesellschaft.
  • Weimarer Republik (1918–1933): Im Oktober 1919 nahm die BOG ihre eigenständigen Sitzungen wieder auf. 1920 benannte sie sich in „Berliner Augenärztliche Gesellschaft“ um. Die Zahl der Berliner Augenärzte stieg von 119 im Jahr 1918 auf 197 im Jahr 1933. Die Formalisierung der Facharztausbildung im Jahr 1924 trug wesentlich zu diesem Wachstum bei. Ab diesem Zeitpunkt war eine dreijährige Weiterbildung in Kliniken verpflichtend.
  • Frauen in der Augenheilkunde: Charlotte Trappe war ab 1914 die erste praktizierende Augenärztin in Berlin und blieb bis 1918 die einzige. In der Weimarer Republik stieg die Zahl der Augenärztinnen deutlich. Ab 1926 zeigte sich ein kontinuierliches Wachstum. Bis 1933 praktizierten 22 Augenärztinnen in Berlin. Charlotte Trappe war auch die erste Frau, die Mitglied der BOG wurde.
  • Organisationsstruktur: Die Gesellschaft hatte einen Vorstand mit bis zu drei Vorsitzenden, drei Schriftführern und zwei Kassierern. Wichtige Persönlichkeiten waren Max Burchardt (1. Vorsitzender von 1893 bis 1897), Julius Hirschberg (mehrfach Vorsitzender zwischen von 1897 bis 1913) und Emil Krückmann (Vorsitzender ab 1913).

Schlussfolgerung: Die Gesellschaft entwickelte sich von einem wissenschaftlichen Forum zu einer berufspolitisch aktiven Fachvereinigung. Sie reagierte auf gesellschaftliche und politische Herausforderungen. Das starke Wachstum der Mitgliederzahlen und die Integration von Augenärztinnen belegen die Bedeutung der Gesellschaft. Sie spielte eine zentrale Rolle bei der Etablierung der Augenheilkunde als eigenständige medizinische Disziplin.

Schlüsselwörter: Berliner Ophthalmologische Gesellschaft, Augenheilkunde Berlin, Medizingeschichte, Fachgesellschaft, Weimarer Republik, Deutsches Kaiserreich, Augenärztinnen, wissenschaftliche Gesellschaft