Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Zeitlicher Zusammenhang zwischen Verstopfung, Durchfall und Darmkrebs: Eine Propensity-Score-gematchte Fall-Kontroll-Studie unter Verwendung realer Daten aus der Primärversorgung
Text
Hintergrund: Ziel dieser Studie war es, den zeitlichen Zusammenhang zwischen chronischer Verstopfung und Durchfall mit der anschließenden Diagnose von Darmkrebs (CRC) zu untersuchen, um zu beurteilen, ob diese Symptome potenzielle Risikofaktoren oder Frühwarnzeichen für eine Malignität darstellen.
Methoden: Wir führten eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie unter Verwendung realer Daten aus der Datenbank „German Disease Analyzer” durch. Die Studie umfasste 10.941 CRC-Patienten und 54.705 passende Kontrollen ohne Krebs, die anhand von Propensity Scores für Alter, Geschlecht und relevante Komorbiditäten im Verhältnis 1:5 abgeglichen wurden. Die Dokumentation von Verstopfung und Durchfall wurde in sechs Zeitintervallen bis zu fünf Jahren vor der CRC-Diagnose ausgewertet. Zur Berechnung der Odds Ratios (ORs) und 95%-Konfidenzintervalle (CIs) für das CRC-Risiko wurde eine multivariable bedingte logistische Regression verwendet.
Ergebnisse: Verstopfung trat bei CRC-Patienten innerhalb von sechs Monaten vor der CRC-Diagnose signifikant häufiger auf (OR: 3,23; 95% KI: 2,85–3,66). Ein ähnliches Muster wurde für Durchfall innerhalb von sechs Monaten vor der Diagnose beobachtet, jedoch war der Zusammenhang umso stärker, je häufiger Durchfall dokumentiert wurde (mindestens eine
Diagnose: OR: 3,37; 95% KI: 3,03–3,75; mindestens zwei Diagnosen, OR: 4,18; 95% KI: 3,31–5,29; mindestens drei Diagnosen, OR: 6,82; 95% KI: 4,43–10,49). Über ein Jahr vor der Diagnose wurden keine Zusammenhänge festgestellt.
Schlussfolgerung: Verstopfung und Durchfall standen nur in den Monaten unmittelbar vor der Diagnose mit der späteren Diagnose von Darmkrebs in Zusammenhang, was eher auf eine umgekehrte Kausalität als auf einen kausalen Zusammenhang hindeutet. Diese Symptome können eher als Warnsignale denn als Risikofaktoren dienen, was die Notwendigkeit einer rechtzeitigen diagnostischen Untersuchung unterstreicht, insbesondere bei anhaltenden Veränderungen der Darmgewohnheiten.



