75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
Eine ganz normale Lyme-Borreliose ...
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Klinischer Fall: Eine Patientin stellte sich mit hochschmerzhafter Rötung, Pochen und Photophobie am rechten Auge vor. Der Visus war mit 0,63 erstaunlich stabil. Die Spaltlampenuntersuchung zeigte einen nodulären Skleralabszess bei 12 Uhr mit Hypopyon von 0,2 mm. Bemerkenswert war der völlig reizfreie Hinterabschnitt: Retina und Papille waren in der Weitwinkel-Funduskopie ohne pathologischen Befund.
Anamnese & Initialtherapie: Fünf Tage zuvor erfolgte die Inzision eines axillären Abszesses ohne antibiotische Abdeckung. Das initiale Labor ergab einen positiven Borrelien-IgM-Titer, weshalb unter dem Verdacht einer Lyme-Borreliose Stadium III eine Therapie mit Doxycyclin und Cefuroxim i.v. eingeleitet wurde.
Ergebnisse & Diagnostik: Aufgrund des persistierenden intraokularen Reizes wurde ein Abstrich der eitrigen Skleralläsion durchgeführt. Dieser erbrachte den kulturellen Nachweis von Staphylococcus capitis. Die Diagnose wurde daraufhin auf eine endogene metastatische Skleritis revidiert. Der Borrelien-Titer wurde als unspezifische Begleitreaktion (Kreuzreaktion) im Rahmen der Staphylokokken-Bakteriämie gewertet.
Diskussion & Fazit: Dieser Fall verdeutlicht zwei kritische Aspekte: 1. Ein Hypopyon bei vollständig freier Retina kann das klinische Leitsymptom einer primär skleralen Abszedierung über die vorderen Ziliargefäße sein. 2. Klinische Evidenz schlägt Laborbefunde: Ein eitriger Prozess am Auge nach einem extraokulären Abszess ist eine bakterielle Metastase, bis das Gegenteil bewiesen ist. Das Vorgehen nach dem Magdeburger Schema und die sofortige Keimgewinnung sind essenziell, um den Visus zu retten und die „diagnostische Falle“ der Borrelien-Serologie zu umgehen.



