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75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte


05.-06.06.2026
Hamburg

Meeting Abstract

Glaskörperersatz: Alte Probleme endlich gelöst?

Fabian Höhn - Osnabrück

Text

Hintergrund: Der natürliche Glaskörper erfüllt essenzielle mechanische, optische und metabolische Funktionen im Auge. Trotz jahrzehntelanger Forschung existiert bislang kein idealer Glaskörperersatz, der diese Eigenschaften vollständig reproduziert. Aktuell eingesetzte Tamponaden wie Gase und Silikonöle sind klinisch etabliert, weisen jedoch relevante Limitationen auf.
Ziel: Ziel des Vortrags ist die kritische Bewertung aktueller Glaskörperersatzstoffe sowie die Einordnung neuer Entwicklungen, insbesondere von Hydrogelen, im Hinblick auf ihre klinische Anwendbarkeit.

Methoden: Es erfolgt eine systematische Darstellung der verfügbaren Glaskörperersatzstoffe (Gase, Silikonöle, PFCL, Hydrogele) unter Berücksichtigung ihrer physikochemischen Eigenschaften, pharmakokinetischen Interaktionen und chirurgischen Handhabung. Ergänzend werden aktuelle experimentelle Studien zu Silikonölen und Hydrogelen analysiert.

Ergebnisse: Gase bieten eine effektive, jedoch zeitlich limitierte Tamponade mit patientenabhängigen Einschränkungen. Silikonöl stellt weiterhin den klinischen Standard für komplexe Netzhauterkrankungen dar, ist jedoch mit Emulsifikation, sekundärem Glaukom und veränderter intravitrealer Pharmakokinetik assoziiert. Experimentelle Daten zeigen, dass Medikamente unter Silikonöl eine veränderte Verteilung aufweisen und Anti-VEGF die Emulsifikation begünstigen können. Hydrogele als potenzieller „biomimetischer“ Glaskörperersatz zeigen vielversprechende viskoelastische und pharmakologische Eigenschaften sowie die Möglichkeit eines Drug-Delivery-Systems. Allerdings bestehen weiterhin relevante Probleme hinsichtlich optischer Qualität (z. B. streulichtbedingte Effekte nach Injektion) und insbesondere der chirurgischen Handhabung, vor allem bei der Explantation.

Schlussfolgerung: Der ideale Glaskörperersatz existiert derzeit nicht. Während Silikonöl klinisch etabliert bleibt, eröffnen Hydrogele ein vielversprechendes Zukunftskonzept. Entscheidend wird jedoch sein, Materialien zu entwickeln, die nicht nur tamponieren, sondern gleichzeitig optische, pharmakologische und chirurgische Anforderungen erfüllen.