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75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte


05.-06.06.2026
Hamburg

Meeting Abstract

Sind randomisierte klinische Studien in der Ophthalmologie wirklich repräsentativ?

Nefeli Eleni Kounatidou - Hamburg
C. Tzavara - Abteilung für Biostatistik, Medizinische Fakultät der Nationalen und Kapodistrischen Universität Athen/GR
S. Palioura - Klinik für Augenheilkunde, Bascom Palmer Eye Institute, Miami, FL/USA

Text

Hintergrund: In zahlreichen medizinischen Fachgebieten wurde gezeigt, dass Frauen sowie ethnische Minderheiten in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) häufig unterrepräsentiert sind. Darüber hinaus wird wiederholt eine unzureichende Berichterstattung zu Geschlecht sowie zu ethnischer Zugehörigkeit der Studienteilnehmenden beschrieben. Diese Faktoren sind entscheidend für die Generalisierbarkeit klinischer Studienergebnisse und für eine evidenzbasierte, patientenzentrierte Medizin. Während diese Problematik in anderen Disziplinen bereits umfassend untersucht wurde, liegen für die Ophthalmologie bislang nur begrenzte Daten vor. Ziel dieser Studie war es daher, die Repräsentation und Berichterstattung von Geschlecht, Ethnie und Studienleitung in ophthalmologischen randomisierten kontrollierten Studien über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten zu untersuchen.

Methoden: Es wurde eine systematische Literaturrecherche in der MEDLINE-Datenbank durchgeführt. Eingeschlossen wurden prospektive randomisierte kontrollierte Studien aus fünf führenden ophthalmologischen Fachzeitschriften, die in den Jahren 2000, 2010 und 2020 publiziert wurden. Insgesamt erfüllten 135 Studien die Einschlusskriterien für die vorläufige Analyse. Für jede Studie wurden das Geschlecht der Studienleitung (Principal Investigator, PI), die Berichterstattung zum Geschlecht der Studienteilnehmenden sowie die Angabe von ethnische Zugehörigkeit erfasst. Zusätzlich wurden die tatsächlichen Anteile weiblicher Studienteilnehmender sowie der Anteil weißer/kaukasischer Teilnehmender analysiert. Veränderungen über die untersuchten Zeitpunkte hinweg wurden statistisch ausgewertet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 15% der eingeschlossenen Studien von Frauen geleitet. Der Anteil weiblicher Studienleitungen betrug 11,5% im Jahr 2000, 19,4% im Jahr 2010 und 11,1% im Jahr 2020, ohne statistisch signifikante Veränderung im Zeitverlauf. Das Geschlecht der Studienteilnehmenden wurde in 83,7% der Studien berichtet (74,1% im Jahr 2000, 85,7% im Jahr 2010 und 86,7% im Jahr 2020), ebenfalls ohne signifikanten zeitlichen Trend. Eine Randomisierung nach Geschlecht erfolgte in 94% der Studien. Angaben zur ethnischen Zugehörigkeit der Teilnehmenden wurden insgesamt nur in 28,9% der Studien gemacht, mit einem Anstieg von 14,8% im Jahr 2000 auf 30,2% im Jahr 2010 und 35,6% im Jahr 2020, jedoch ohne statistisch signifikante Verbesserung. Der Anteil weiblicher Studienteilnehmender lag im untersuchten Zeitraum relativ konstant zwischen 47,4% und 52,5%, während der Anteil weißer bzw. kaukasischer Teilnehmender zwischen 70% und 76,1% variierte.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser vorläufigen Analyse zeigen, dass ophthalmologische randomisierte kontrollierte Studien über die letzten zwei Jahrzehnte keine signifikanten Fortschritte hinsichtlich der Repräsentation von Frauen in leitenden Positionen oder der Berichterstattung zu ethnischer Zugehörigkeit der Studienteilnehmenden aufweisen. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz in der Studienberichterstattung sowie zur Förderung einer repräsentativeren klinischen Forschung in der Ophthalmologie.