75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
Aktuelle Therapie bei Glaukom und Keratokonjunktivitis sicca
Text
Die Mehrheit der Glaukompatienten sind auch von einer Keratokonjunktivitis sicca (KCS) betroffen. Dabei entsteht eine okuläre Oberflächenstörung (ocular surface disorder – OSD) vor allem durch den breiten Einsatz von Antiglaukomatosa. Die darin enthaltenen Konservierungsstoffe, aber auch die Wirkstoffe selbst, führen unter anderem zu chronischer Intoxikation, Allergieentstehung, Entzündungsreaktionen bis hin zu Erosionen. Meibomdrüsendysfunktion, Becherzellschäden, Neurotoxizität gegenüber den Hornhautnerven sind mögliche Folgen auf mikroskopischer Ebene. Ein Teil der Patienten ist aber auch nach Glaukomeingriffen dauerhaft mit einer Siccasymptomatik belastet. Jeder Eingriff in das wohltarierte System aktivierender und supprimierender Faktoren kann Folgen für die Oberflächenintegrität haben.
Eine moderne Glaukomtherapie sollte daher das Risiko einer KCS von vornherein minimieren. Das heißt konkret: Vermeiden von langfristigen Mehrfachtherapien, Vermeiden von Konservierungsmitteln, Ergänzungen durch Tränenersatzmitteln oder Immunmodulatoren, aber auch frühzeitige schonende laser- oder chirurgische Verfahren einzusetzen. Antiglaukomatosa in kationischer Emulsionen (PFLatanoprost-E) oder Gelform (PF-Bimatoprost-gel) sind vielversprechende Ansätze Prostaglandine besser oberflächenverträglich darzureichen. Bei den therapiebegleitende Immunmodulatoren kommen Steroide auf Grund der hohen Inzidenz der Steroidrespons dauerhaft nicht in Frage, wohingegen Ciclosporin A in den nun erhältlichen Varianten eine gute Ergänzung zur antiglaukomatösen Therapie bei KCS sind. Eine absolute Tropfenunverträglichkeit ist nach unserer Auffassung gleichzusetzen mit einer absoluten Indikation für ein filtrierendes OP-Verfahren – a.e. mit einer Trabekulektomie mit schonendem Einsatz von Mitomycin-C (MMC). Die KCS macht die Glaukomtherapie für die Patienten spürbar und ist in einigen Fällen für die geringe Compliance verantwortlich. Damit kann sie zum Erblindungsrisiko beim Glaukompatienten werden und sollte im klinischen Alltag rechtzeitig diagnostiziert und in den Therapieentscheidungen berücksichtigt werden.



