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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Nykturie kann durch urogenitalen Prolaps verursacht werden

Bernhard Liedl - Urologische Klinik München-Planegg, Zentrum für Rekonstruktive Urogenitalchirurgie, München-Planegg, Deutschland
Aleksander Antoniewicz - Urologische Klinik München-Planegg, Mannheim, Deutschland
Maren Wenk - Klinik für Urologie und Urochirurgie, Klinikum Mannheim, Mannheim, Deutschland

Text

Einleitung: Frauen mit Nykturie weisen nur in 32% eine nächtliche Polyurie auf (Bing et al. J Urol 2007;178:552), weshalb meist andere Ursachen vorliegen müssen. Harndrangbeschwerden können durch einen urogenitalen Prolaps getriggert werden (Quaghebeur et al. Ann Trans Med 2024;12:24). Zur Frage, wie häufig Frauen mit urogenitalem Prolaps an Nykturie leiden und wie sich dieses Symptom postoperativ nach Prolapskorrektur verhält, analysierten wir die Daten der registrierten Propelstudie (ClinicalTrials.gov Identifier:NCT00638235).

Methodik: 277 Frauen mit 2.–4.gradiger Zysto- oder Rektozele mit oder ohne apikalem Deszensus unterzogen sich in dieser Studie einer Netz-gestützten vaginalen bilateralen sakrospinalen Fixation mit dem Elevate-System. Prä- und bis zu 2 Jahre postoperativ wurden POP-Q-Messungen sowie Symptomerfassungen mit dem Pelvic-Floor-Disorder-Inventory-Fragebogen durchgeführt. Es interessierte das Symptom Nykturie mäßiger und starker Ausprägung (R2).

Ergebnisse: Die Frauen mit apikalem Stadium 1 (N=109) wiesen in 56,9% und diejenigen Frauen mit apikalem Stadium 2–4 (N=137) in 42,3% eine Nykturie mäßiger bis starker Ausprägung auf. Rektozelen ebenso wie Zystozelen, 2. oder 3.–4. Grades wiesen ähnlich hohe Prävalenzen einer Nykturie auf. Die Heilungsraten (definiert als Verschwinden mäßiger und starker Beschwerden) lagen sowohl bei Frauen mit 1. gradigem als auch jenen mit 2.–4.gradigem apikalem Prolaps bei 69%. Nach Korrektur von Zystozelen wurde ein 79%ige Heilungsrate festgestellt, nach Rektozelen Korrektur eine Heilung in Höhe von 65%. Auch 2. gradige Zysto- oder Rektozelen wiesen hohe Heilungsraten um 70% auf. Die Häufigkeits-Unterschiede prä- versus postoperativ waren mit p < 0,001 hochsignifikant.

Schlussfolgerung: Diese Erkenntnisse weisen darauf hin, dass ein urogenitaler Prolaps unterschiedlicher Ausprägung eine Nykturie verursachen kann. Simulationen (z.B. Pessar- oder Tamponeinlage) können Hinweise auf Nykturieverursachung geben. Frauen mit Nykturie sollen hinsichtlich des Vorhandenseins eines urogenitalen Prolapses – auch 1. gradigem apikalem Deszensus, 2. gradiger Zysto- oder Rektozele – untersucht werden, um die Frauen hinsichtlich einer ursächlichen langanhaltenden chirurgischen Therapie beraten zu können.