52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Real-World-Daten aus 7 Jahren und 49 Fällen in einem Krankenhaus der Maximalversorgung
Text
Einleitung: Die Fournier-Gangrän ist ein akuter Notfall mit hoher Mortalität. Spezifische Daten zur Behandlungsrealität der Fournier-Gangrän in Deutschland sind begrenzt. Um die Behandlungsrealität, prognostische Faktoren und den Verlauf von Fournier-Gangrän in einem Krankenhaus der Maximalversorgung zu untersuchen, werteten wir die Daten aller Patienten, die zwischen 2018 und 2024 in unserer urologischen Klinik behandelt wurden, aus.
Methodik: Es erfolgte eine retrospektive Datenanalyse aller Fälle (n=49) mit Fournier-Gangrän, die zwischen 2018 und 2024 in unserer Klinik behandelt wurden. Untersucht wurden demografische Faktoren, Komorbiditäten, mikrobiologische und laborchemische Ergebnisse, die Anzahl der durchgeführten Interventionen und der klinische Verlauf. Weiterhin untersuchten wir den prognostischen Wert etablierter Scoring-Systeme für Fournier-Gangrän in der Kohorte.
Ergebnisse: Alle 49 Patienten waren männlich und im Median 61 Jahre alt (IQR 54–77). Die häufigsten Komorbiditäten waren Diabetes mellitus (61%) und arterielle Hypertonie (59%). Die mediane Aufenthaltsdauer betrug 25 Tage (IQR 16–40). Die In-hospital-Mortalität betrug 20%. Im Median waren drei Interventionen pro Patient erforderlich. Bei 92% lag eine polymikrobielle Infektion vor, wobei Anaerobier in 71% der Fälle nachgewiesen wurden. E. coli (39%) und E. faecalis (35%) waren die häufigsten aeroben Erreger. Patienten mit einem SFGSI ≤2 hatten eine Überlebensrate von 92%.
Schlussfolgerung: Auch in Deutschland ist die Fournier-Gangrän eine langwierige und aufwendig zu behandelnde Erkrankung. Das polymikrobielle Erregerspektrum bestätigt die Notwendigkeit einer breiten empirischen Antibiotikatherapie. Der SFGSI ermöglicht eine Risikostratifizierung und ist im deutschen Versorgungskontext anwendbar.



