52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Re-Evaluierung histopathologischer Faktoren zur Verbesserung der Risikostratifizierung des pT1-Harnblasenkarzinoms im 5-Jahres-Follow-up
Text
Einleitung: Trotz bestehender Subklassifikationssysteme bleibt die Risikostratifizierung beim pT1-Harnblasenkarzinom herausfordernd. Aufbauend auf unserer früheren Validierung dieser Systeme wurden in einem 5-Jahres-Follow-up verschiedene histopathologische und patientenbezogene Faktoren analysiert, um zusätzliche Prädiktoren für Rezidiv und Progression zu identifizieren.
Methodik: In dieser retrospektiven, monozentrischen Studie wurden 185 Patienten mit primärem pT1-Harnblasenkarzinom eingeschlossen, die zwischen 2010 und 2019 eine primäre TURB erhalten hatten. Die histologischen Präparate der Erstresektion wurden erneut begutachtet und gemäß der Subklassifikationssystemen T1m/T1e sowie ROL1/2 eingestuft. Zusätzlich wurden Daten zum Gesamtüberleben (OS), Rezidiv, Progression, Charlson-Deyo-Komorbiditätsindex (CCI ≤4 vs. >4) sowie Art und Dauer der intravesikalen Therapie erhoben. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Kaplan-Meier-Analysen und binärer logistischer Regression.
Ergebnisse: Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4,6 Jahre (IQR 2,3–6,9). Ein Rezidiv trat bei 74 Patienten (40%) auf, davon 60 (32,4%) als high risk-Rezidive, was 81,1% aller Rezidive entsprach. Eine muskelinvasive (pT2) oder systemische Progression wurde bei 36 Patienten (19,5%) beobachtet. Die mediane Zeit bis zum Rezidiv betrug 30,8 Monate (IQR 9,1–64,3), die mediane Zeit bis zur Progression 49,2 Monate (IQR 23,1–77,0). Ein CCI >4 war signifikant mit einem schlechteren OS assoziiert (p<0,001), zeigte jedoch keinen signifikanten Einfluss auf Rezidiv oder Progression. Persistierendes pT1-Tumorgewebe in der zweiten TURB war signifikant mit einem erhöhten Rezidiv- (p<0,001) und Progressionsrisiko (p=0,007) assoziiert. Eine Infiltration unterhalb der Lamina propria (T1c) war signifikant mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden (p=0,016). High risk-Rezidive traten signifikant häufiger bei Patienten mit persistierendem pT1 in der Re-TURB auf (p<0,001).
Schlussfolgerung: Verschiedene histopathologische und klinische Faktoren könnten bestehende Subklassifikationssysteme sinnvoll ergänzen und sollten in größeren Kollektiven weiter untersucht werden. Der CCI zeigte in unserem Kollektiv einen signifikanten Einfluss auf das OS; in größeren NMIBC-Kohorten wurde zudem ein Einfluss auf Rezidiv und Progression beschrieben. Daher könnten sowohl die Komorbidität als auch der Nachweis von Residualtumor in der Re-TURB in zukünftige Risikostratifizierungsmodelle integriert werden.



