66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Bilaterale Nierenraumforderungen: ein Fallbeispiel mit Nachweis multipler Onkozytome
Text
Einleitung: Im Rahmen einer CT-Abdomen-Untersuchung zeigte sich ein hochgradiger Verdacht auf ein Magenkarzinom bei gleichzeitig bilateralen Nierenraumforderungen unklarer Genese. Initial sollte eine Histologiegewinnung des suspekten Nierenbefundes erfolgen. Aufgrund der potenziellen Malignität des Magenbefundes wurde die renale Intervention zunächst zurückgestellt.
Methode: Es erfolgte eine weiterführende Diagnostik mittels Gastroskopie, MRT-Abdomen und CT-Thorax. Entgegen der radiologischen Einschätzung ergab die histopathologische Untersuchung der Magenwandverdickung keinen Hinweis auf Malignität. Zur histologischen Sicherung der renalen Befunde wurde eine operative Exploration durchgeführt. Es erfolgte die offene, lumbale Exzision multipler makroskopisch auffälliger Tumoren der rechten Niere. Insgesamt wurden zehn Tumoren reseziert und histopathologisch aufgearbeitet.
Ergebnisse: Die histologische Untersuchung zeigte multiple Onkozytome der rechten Niere ohne Anhalt für Malignität. Die linksseitigen Läsionen verbleiben unter strukturierter bildgebender Verlaufskontrolle.
Schlussfolgerung: Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer strukturierten, interdisziplinären Diagnostik bei simultanen suspekten Organbefunden. Nach Ausschluss eines Magenkarzinoms konnte eine benigne renale Tumorentität nachgewiesen werden.
Das Auftreten multipler Onkozytome ist selten. Differentialdiagnostisch kommen insbesondere eine renale Onkozytose sowie das Birt-Hogg-Dubé-Syndrom in Betracht. Trotz der Seltenheit beider Erkrankungen sollten diese bei bilateralen oder multiplen Nierenraumforderungen in Betracht gezogen werden.
Anhand des dargestellten Falles sollen beide Krankheitsbilder kurz erläutert werden.
Eine humangenetische Abklärung wurde dem Patienten empfohlen; das Ergebnis steht noch aus.



