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66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Urogenitale Metastasen eines malignen Melanoms – ein Fallbericht

Lea-Sophie Stollberg - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
A. Strauch - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
J. Schoch - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
R. Stoll - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
D. Overhoff - Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
S. Waldeck - Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
G. Müller - Institut für Pathologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
R. Eming - Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
C. Lutz - Praxis für Hämatologie und Onkologie, Koblenz, Deutschland
H.-U. Schmelz - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
T. Nestler - Klinik für Urologie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland

Text

Einleitung: Maligne Melanome sind hochaggressive maligne Tumore der Haut, ausgehend aus epidermalen Melanozyten. Er ist der vierthäufigste Tumor in Deutschland mit ca. 26.870 Neuerkrankungen im Jahr und einem mittleren Erkrankungsalter zwischen 60 und 70 Jahren. Primäre Metastasen (UICC/AJCC III/IV) liegen in 14% vor, häufig in ZNS, Leber, Lunge oder Knochen. Urogenitale Metastasierungen sind sehr selten beschrieben.

Methode: Ein 76-jähriger Patient stellte sich mit unklarer intraskrotaler, paratestikulärer Raumforderung (A) vor. Nebenbefundlich bestand eine Makrohämaturie, keine relevanten Nebenerkrankungen, ECOG 0.

Sonographisch zeigte sich die ca. 10 cm messende, duplexsonographisch gut vaskularisierte intraskrotale Raumforderung (A), ohne Kontakt zu den Hoden. Zufallsbefund eines Harnstaus III° links.

In der kontrastmittelgestützten Computertomographie wurde die skrotale Läsion (A) als „V.a. Raumforderung des linken Hodens mit peripherer Flüssigkeit DD Hämatom“ beschrieben. Weiter V.a. eine maligne Raumforderung im mittleren linken Ureter (B) mit fehlender Kontrastmittelausscheidung der linken Niere.

Entschluss zur skrotalen Tumorresektion (A). Der Tumor infiltrierte teilweise die Skrotalhaut und ging bis an das Corpus spongiosum heran, die Hoden waren frei. Gleichzeitig offene lumbale Nephroureterektomie links (B), aufgrund der Tumorgröße und -lokalisation.

Histopathologisch war die skrotale Läsion (A) eine ausgedehnte Metastase eines malignen Melanoms, wie auch der im Gesunden resezierte Uretertumor (B). Immunhistochemisch zeigte sich keine PD-L1-Expression, per NGS wurde eine BRAF-V600E-Mutation nachgewiesen.

Zusammenfassend liegt eine urogenitale Metastasierung eines malignen Melanoms vor. Postoperativ berichtete der Patient über ein malignes Melanom am rechten Unterarm vor 20 Jahren. Das Hauttumorzentrum der Universitätsmedizin Mainz empfahl bei Verdacht auf das Vorliegen einer zusätzlichen axillären Lymphknotenmetastase eine Operation mit perioperativer Pembrolizumab-Therapie – Therapie aktuell laufend.

Ergebnisse: Spätrezidive eines malignen Melanoms sind sehr selten, urogenitale Metastasen noch seltener (< 1%). Am häufigsten betroffen sind die Harnblase sowie der Ureter; skrotale Metastasierungen sind in der Literatur bislang nur vereinzelt beschrieben.

Klinische Symptome treten im Urogenitaltrakt häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auf oder werden zufällig diagnostiziert. In Ureter und Harnblase steht differenzialdiagnostisch primär das Urothelkarzinom im Vordergrund. Die klinische Symptomatik ist weitgehend unspezifisch mit Makrohämaturie oder Harntransportstörungen. Eine präoperative Differenzierung anhand klinischer und bildgebender Befunde ist in der Regel nicht möglich.

Diagnostisch und therapeutisch ist die chirurgische Exzision der erste Schritt. Hiernach stehen im therapeutischen, adjuvanten oder palliativen Setting Möglichkeiten der Immuncheckpoint-Inhibition (PD-1 u. CTLA-4 Antikörper) oder der Signaltransduktionsinhibition (BRAF-MEK-Inhibition) neben weiteren Strategien zur Verfügung.

Schlussfolgerung: Urogenitale Metastasen des malignen Melanoms sind sehr selten, aber möglich. Eine sorgfältige Anamnese, insbesondere hinsichtlich vorbestehender oder behandelter Tumorerkrankungen, ist daher wichtig. Sinnvoll ist die Vorstellung in einem Hauttumorzentrum zur therapeutischen Mitberatung.