66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Raten und Prädiktoren persistierender LUTS-Medikation nach Laserenukleation der Prostata
Text
Einleitung: Die Laserenukleation der Prostata (LEP) ist ein etabliertes, operatives Verfahren zur Behandlung von LUTS (lower urinary tract symptoms) infolge einer benignen Prostatahyperplasie und unabhängig vom Prostatavolumen einsetzbar. Viele Patienten entscheiden sich für eine operative Therapie in der Erwartung, postoperativ keine LUTS-Medikation mehr zu benötigen. Während für die transurethrale Resektion der Prostata relevante Raten persistierender Medikation beschrieben wurden, sind longitudinale Daten zur Anwendung von LUTS-Medikation nach LEP begrenzt, insbesondere differenziert nach einzelnen Wirkstoffklassen.
Ziel der vorliegenden Studie war die Analyse der zeitlichen Verläufe der LUTS-Medikation über 24 Monate nach LEP sowie die Identifikation präoperativer Prädiktoren für eine persistierende Medikation.
Methode: In einer retrospektiven Analyse einer prospektiv geführten Datenbank wurden 864 Patienten eingeschlossen, die zwischen 11/2017 und 05/2023 eine LEP erhielten und Follow-up-Daten zur LUTS-Medikation über 24 Monate verfügten. Erfasst wurde die patientenberichtete Einnahme von fünf Wirkstoffklassen: Alphablocker, 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI), Anticholinergika, Beta-3-Agonisten und Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE-5-I). Die Datenerhebung erfolgte präoperativ sowie nach 1, 3, 12 und 24 Monaten. Zur Analyse präoperativer Prädiktoren für eine persistierende Medikation wurden uni- und multivariable logistische Regressionsmodelle eingesetzt.
Ergebnisse: Präoperativ berichteten 84,9% der Patienten die Einnahme mindestens einer LUTS-Medikation, gegenüber 12,6% nach 24 Monaten. Die Nutzung von Alphablockern (80,9%) und 5-ARI (13,8%) sank auf 1,8% bzw. 0%. Anticholinergika (4,6%) und Beta-3-Agonisten (0,3%) zeigten einen vorübergehenden postoperativen Anstieg mit einem Maximum nach drei Monaten (12,0% bzw. 1,0%), gefolgt von einem Rückgang auf 2,7% bzw. 0,4% nach 24 Monaten. Die Anwendung von PDE-5-I stieg hingegen kontinuierlich von 1,8% auf 5,4%.
Insgesamt wiesen 109 Patienten (12,6%) eine persistierende LUTS-Medikation auf. In der multivariablen Analyse blieben lediglich die präoperative Einnahme von PDE-5-I (adjustierte OR 3,26; p = 0,002) und ein ASA-Score III/IV (adjustierte OR 2,08; p = 0,016) unabhängig mit persistierender LUTS-Medikation assoziiert.
Schlussfolgerung: Nach LEP zeigt sich eine deutliche und nachhaltige Reduktion der LUTS-Medikation. Nur ein kleiner Anteil der Patienten benötigt nach 24 Monaten weiterhin eine LUTS-Medikation, überwiegend PDE-5-I. Der vorübergehende postoperative Anstieg in der Nutzung von Anticholinergika und Beta-3-Agonisten ist am ehesten als Ausdruck der Behandlung irritativer Symptome während der Abheilungsphase zu werten. Patienten mit erhöhter Komorbidität und präoperativer Anwendung von PDE-5-I weisen ein erhöhtes Risiko für persistierende LUTS-Medikation auf.
Die Ergebnisse dieser Arbeit können in der präoperativen Aufklärung berücksichtigt werden und ein realistisches Erwartungsmanagement hinsichtlich postoperativer Medikamentenabhängigkeit unterstützen.



