66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
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Pelvine Lymphadenektomie beim lokalisierten Prostatakarzinom – eine risiko-adaptierte Strategie
Text
Einleitung: Die pelvine Lymphadenektomie als Teil einer radikalen Prostatektomie ist in manchen Fällen aus onkologischer Sicht notwendig, ist jedoch gleichzeitig mit einer höheren Morbidität, einer längeren Operationsdauer und höheren Kosten verbunden. Aus medizinisch-ökonomischer Sicht stellt sich die Frage, welche Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom eine pelvine Lymphadenektomie benötigen.
Methode: Anhand der Datenbank eines High-Volume-Zentrums (2021–2023) wurden die Anteile eines pathologischen Lymphknotenbefalls (pN1) bei Patienten, die mit einer radikalen Prostatektomie behandelt wurden, entsprechend den Risikogruppen des National Comprehensive Cancer Network stratifiziert analysiert. Zur Unterstützung der Entscheidungsfindung hinsichtlich einer pelvinen Lymphadenektomie bei Patienten mit ungünstigem-intermediärem Risiko wurde ein multivariables logistisches Regressionsmodell entwickelt. Die Vorhersagegenauigkeit wurde mithilfe des Harrell-Concordance-Index (c-Index) bestimmt und im Rahmen einer internen Validierung anhand von 2.000 Bootstrap-Resamples quantifiziert.
Ergebnisse: Unter 6.462 Patienten waren die Anteile eines pathologischen Lymphknotenbefalls (pN1) in der Niedrigrisiko- (1%) und der günstig-intermediären Risikogruppe (2%) niedrig sowie in der Hochrisiko- (17%) und Sehr-hohen Risikogruppe (27%) hoch. Daher ist die Entscheidung für oder gegen eine pelvine Lymphadenektomie in diesen Gruppen eindeutig. Die ungünstig-intermediäre Risikogruppe lag mit 8% dazwischen und erforderte die Entwicklung eines multivariablen Modells auf Basis von Alter zum Operationszeitpunkt, Prostata-spezifischem Antigen (PSA), klinischem Tumorstadium, Anteil positiver Stanzen, Gleason Grade Group sowie maximalem Tumorbefall in einem einzelnen Stanzzylinder. Für dieses Modell betrug der c-Index zur Vorhersage von pN1 0,818 (95%-Konfidenzintervall 0,725-0,844). Bei Anwendung eines Schwellenwerts von >5% Risiko für pN1 könnte bei 49% der Patienten mit ungünstigem-intermediärem Risiko auf eine pelvine Lymphadenektomie verzichtet werden. Ein pN1-Befund würde dabei in weniger als 1% der Fälle übersehen werden.
Schlussfolgerung: Unter der Annahme eines Schwellenwerts von >5% Risiko für pN1 als Indikation für eine pelvine Lymphadenektomie sollte die pelvine Lymphadenektomie bei Patienten mit hohem und sehr hohem Risiko durchgeführt werden. Für Patienten mit ungünstigem-intermediärem Risiko stellt das vorgestellte Modell trotz einer signifikanten Verringerung der pelvinen Lymphadenektomie-Eingriffe einen sicheren Ansatz dar.



