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66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Das Harnblasenkarzinom – (k)ein typischer urologischer Fall?

Lena Haag - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Homburg/Saar, Deutschland
P. Becker - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Homburg/Saar, Deutschland
P. Zeuschner - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Homburg/Saar, Deutschland
S. Siemer - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Homburg/Saar, Deutschland

Text

Einleitung: Neuroendokrin entdifferenzierte Urothelkarzinome stellen eine seltene Form des Harnblasenkarzinoms dar, die aggressiv sind, in der Regel schnell lymphogen und hämatogen metastasieren und eine schlechte Prognose haben. Berichtet wird über eine 69-jährige Patientin, die sich erstmalig im März 2025 nach extern durchgeführter TUR-Blase mit Nachweis eines muskelinvasiven, entdifferenzierten Tumors in unserer Klinik vorstellte. Die Ausbreitungsdiagnostik ergab keine Auffälligkeiten, weswegen eine radikale Zystektomie mit Anlage eines Ileumconduits erfolgte. Histologisch wurde ein lokal fortgeschrittenes, PD-L1-negatives, in sano reseziertes, links pelvin lymphonodal metastasiertes, schlecht differenziertes Urothelkarzinom mit ausgedehnter neuroendokriner Tumorkomponente bestätigt (pT3b, pN2 (2/9), L1, V1, Pn1, R0, G3). Eine adjuvante Chemotherapie mit Gemcitabin/Cisplatin wurde aufgrund nebenwirkungsbedingter Unverträglichkeit nach dem zweiten Zyklus abgebrochen. Im hierauf folgenden Staging nach 5 Monaten bestanden neu aufgetretene Lymphknotenmetastasen parailiakal, sowie paraaortal links mit einem Durchmesser bis zu 16 x 26 mm ohne Hinweis auf ein Lokalrezidiv oder ossäre Filiae.

Methode: Da die Patientin die Chemotherapie mit Cisplatin/Etoposid ablehnte, wurde mit ihr aufgrund der atypischen Histologie der Versuch einer Lymphknotenresektion besprochen, welche problemlos erfolgte. Von insgesamt acht entfernten Lymphknoten waren sechs tumorbefallen. Im kurzfristigen postoperativen Staging wurden erneut links retroaortale Lymphknoten von 10 mm und links parailiakal ein Lymphknoten von 15 x 13 mm nachgewiesen. Aus diesem Grund wurde sodann, 9 Monate nach Erstvorstellung, eine 1st line Systemtherapie mit Enfortumab/Vedotin-Pembrolizumab eingeleitet. Lymphknotenmaterial wurde zur genetischen Analyse zum Pan-Cancer-Panel eingeschickt und der Fall im interdisziplinären molekularen Tumorboard besprochen.

Ergebnisse: Die Therapie wird von der Patientin bisher mäßig gut vertragen, wobei eine Polyneuropathie beklagt wird. Diese wird durch die Neurologen und unsere onkologische Fachpflege mitbetreut und es wurde eine Therapie mit Capsaicin-Pflaster begonnen, sowie eine Dosisreduktion des Enfortumab/Vedotin-Pembrolizumab durchgeführt. Das nächste Staging steht für März 2026 aus. Das Pan-Cancer-Panel ergab eine Mutationslast von 3,25 Mutationen/Mb, den Hinweis auf eine GEN1-Amplifikation, sowie in der DNA-Analyse Mutationen im APC-, ARID1A-, AXL-, ERCC2-, ERCC5-, H1-2-, NCOA3-, NF1-, RB1- und TP53-Gen. Im molekularen Tumorboard wurde eine Empfehlung zur humangenetischen Beratung bei NF1-Mutation, sowie zum Einschluss in die Phase-2-Studie Dareon-5 ausgesprochen.

Schlussfolgerung: Urothelkarzinome der Harnblase mit neuroendokriner Entdifferenzierung können zu einer frühzeitigen metachronen Lymphknotenmetastasierung führen und bedürfen daher einer strengen onkologischen Nachsorge mit eventuell zeitnaher Einleitung einer systemischen Therapie. Aufgrund der Seltenheit dieser speziellen Tumorentität fehlen große randomisierte Studien, sowie klare Therapieempfehlungen, sodass zur Therapieplanung in jedem Fall eine interdisziplinäre Diagnostik und zum Beispiel eine Vorstellung im molekularen Tumorboard erfolgen sollte.