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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Erfahrungen mit dem IOL-Austausch: eine retrospektive Auswertung

Hamza Karmane - Dortmund
M. Kohlhaas - Dortmund

Text

Hintergrund: Der Austausch einer Intraokularlinse (IOL-Austausch) stellt ein komplexes chirurgisches Verfahren dar, das bei mechanischen, refraktiven oder optischen Komplikationen bei pseudophaken Patienten erforderlich wird. Ziel dieser retrospektiven Studie war es, die Indikationen, die funktionellen Ergebnisse sowie die peri- und postoperativen Komplikationen von IOL-Austauschen im Zeitraum von Januar 2015 bis Dezember 2017 in der Klinik für Augenheilkunde, St.-Johannes-Hospital Dortmund, zu analysieren.

Fallbeschreibung/Material und Methoden: Insgesamt wurden 367 Augen von Patienten, die sich im St.-Johannes-Hospital Dortmund einem IOL-Austausch unterzogen, retrospektiv ausgewertet. Erfasst wurden demographische Daten, Indikationen für den Austausch, Art der Reimplantation, Visusverläufe, intra- und postoperative Komplikationen sowie begleitende Risikofaktoren (z. B. Pseudoexfoliationssyndrom, Phakodonesis, Trauma, COPD). Das durchschnittliche Alter der Patienten bei der Erstimplantation betrug 66,4±14,5 Jahre (Median: 72 Jahre; Spannweite: 12–91 Jahre). Das rechte Auge war in 51,4% der Fälle (n=189) betroffen, das linke Auge in 48,6% (n=178).Bei der Reimplantation dominierten irisfixierte Linsen (64,5%, n=237), gefolgt von Sulkus-Linsen (28,0%, n=103). In-the-bag-Reimplantationen machten 7,0% (n=26) aus, während sklerafixierte Linsen nur in 0,5% der Fälle (n=2) verwendet wurden. Die mittlere Sehschärfe, gemessen anhand der Snellen-Dezimalskala, betrug präoperativ 0,47±0,24, unmittelbar postoperativ 0,34±0,20 und zwei Monate nach der Operation 0,48±0,28. Der mittlere intraokulare Druck (IOD) betrug präoperativ 15,4±6,5 mmHg, sank unmittelbar postoperativ auf 13,4±4,9 mmHg und stabilisierte sich nach zwei Monaten bei 14,2±4,7 mmHg.

Ergebnisse und Diskussion: Die häufigste Indikation war eine Luxation oder Subluxation der IOL (58,9%), gefolgt von Linsentrübungen (24,8%), Anisometropie (6,5%) und Kalzifikationen (2,8%). Postoperative Komplikationen traten in 23,4% der Fälle auf, am häufigsten ein Irvine-Gass-Syndrom (8,2%), gefolgt von rezidivierenden Subluxationen (4,6%) und endothelialen Dekompensationen (2,2%). Unter den Luxationen fanden sich 12,6% mit Pseudoexfoliationssyndrom (PEX), 1,1% traumatisch bedingt, 1,3% bei COPD und 0,5% bei chronischer Bronchitis. Eine Phakodonesis wurde in 8,9% der Luxationsfälle dokumentiert, ausschließlich im Kontext einer zonulären Instabilität. Von den Augen mit einer Luxation der IOL in den Glaskörper wurden 40% postoperativ nicht erneut kontrolliert; 10% zeigten kein Irvine-Gass-Syndrom, während die übrigen ein typisches Makulaödem entwickelten. Unter den Augen mit Subluxation wiesen 20,2% ein Glaskörperprolaps oder -strang auf; davon entwickelten 60% ein Irvine-Gass-Syndrom. Das Auftreten eines Makulaödems korrelierte insbesondere mit einer mechanischen Glaskörperaggression, wie bei einer IOL-Luxation in den Glaskörperraum oder einem Glaskörperprolaps in die Vorderkammer.

Schlussfolgerung: Luxationen und Subluxationen stellen die häufigsten Ursachen für einen IOL-Austausch dar, meist im Zusammenhang mit Pseudoexfoliation oder zonulärer Instabilität. Das Irvine-Gass-Syndrom trat insbesondere nach Subluxationen mit Glaskörperprolaps sowie nach Luxationen in den Glaskörper auf. Die Datenerhebung wird fortgesetzt, und eine detaillierte Auswertung ist vorgesehen.