99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
Warum sehe ich plötzlich doppelt? Ein ungewöhnlicher Fall akuter Diplopie im Kindesalter
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Hintergrund: Mit in Deutschland nur etwa 50 neu diagnostizierten Fällen pro Jahr stellt die multiple Sklerose (MS) im Kindesalter bei unter elfjährigen Kindern ein sehr seltenes Krankheitsbild dar. Ophthalmologische Symptome treten bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten vergleichsweise häufig im Rahmen der Erstmanifestation einer MS auf und können somit einen entscheidenden Hinweis auf die zugrunde liegende Erkrankung geben. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Zeitspanne zwischen dem erstmaligen Auftreten klinischer Symptome und der endgültigen Diagnosestellung in dieser Patientengruppe bei über vier Jahren. Der Früherkennung und Einleitung einer weiterführenden neurologischen Diagnostik kommt daher eine besondere Bedeutung zu, um eine zeitnahe Therapie zu ermöglichen und langfristige irreversible Schäden zu reduzieren.
Fallvorstellung: Ein zehnjähriger Junge stellte sich aufgrund einer akut aufgetretenen Diplopie in unserer Augenklinik vor, wo eine akute Abduzensparese festgestellt wird. In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Neuropädiatrie wird eine umfassende weiterführende Diagnostik inklusive cMRT, Lumbalpunktion, Serologie und Elektrophysiologie eingeleitet. Im Rahmen der Untersuchungen ergaben sich Befunde, die schließlich zur Diagnose einer multiplen Sklerose im Kindesalter führten. Bemerkenswert ist hierbei insbesondere die initiale Präsentation mit einer isolierten Abduzensparese, die eine ungewöhnliche Erstmanifestation der Erkrankung darstellt sowie das junge Patientenalter.
Schlussfolgerung: Der vorgestellte Fall verdeutlicht die besondere Bedeutung der ophthalmologischen Diagnostik bei der Früherkennung einer Multiplen Sklerose im Kindesalter. Gerade weil visuelle Symptome bei Kindern häufig zu den ersten klinischen Zeichen einer MS gehören, kommt Augenärztinnen und Augenärzten eine wichtige Rolle bei der frühzeitigen Erkennung der Erkrankung zu. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Neuropädiatrie ist hierbei essenziell, um durch frühzeitige Diagnosestellung und Therapieeinleitung eine weitere Progression mit potenziell irreversiblen Schäden für die jungen Patientinnen und Patienten zu vermeiden.



