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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Bilaterales Verschwommensehen: Gezielt nachgefragt

Sarah Margarita Hessemer - Frankfurt am Main
P. Singh - Frankfurt am Main
T. Kohnen - Frankfurt am Main

Text

Ein 54-jähriger Patient stellte sich mit der Verdachtsdiagnose einer adulten vitelliformen Makulopathie in unserer Hochschulambulanz vor. Anamnestisch berichtete er über eine subjektive Visusminderung mit reduziertem Kontrastsehen sowie einen zentral verschwommen wahrgenommenen Bereich beidseitig. Die initial erhobene Suchtanamnese war unauffällig, als Medikation wurden lediglich Antihypertensiva angegeben. Der ophthalmologische Organbefund einschließlich des Fundus zeigte sich unauffällig. In der Makula-OCT zeigte sich eine umschriebene Unterbrechung der Ellipsoidzone. Differentialdiagnostisch kamen bei entsprechender Anamnese unter anderem eine eine Schweißerretinopathie, eine laserpointerassoziierte Retinopathie sowie die initial vermutete adulte vitelliforme Makulopathie in Betracht. Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs mit einer stattgefundenen Sonnenfinsternis kann auch eine Solarretinopathie diskutiert werden. Bei unauffälliger initialer Anamnese wurde diese im weiteren Verlauf gezielt hinsichtlich eines Popperskonsums vertieft. Hierbei gab der Patient einen regelmäßigen Konsum von Poppers an. Unter Zusammenschau von Anamnese und charakteristischem OCT-Befund wurde die Diagnose einer Poppers-Retinopathie gestellt. Der Fall verdeutlicht die Bedeutung einer gezielten Anamnese bei diskreten fovealen Veränderungen und unauffälligem Fundusbefund. Insbesondere bei einer isolierten Unterbrechung der Ellipsoidzone sollte neben photischen und degenerativen Ursachen auch eine Poppers-Retinopathie als seltene Differentialdiagnose berücksichtigt werden. Poppers sind Alkylnitrite, die aufgrund ihrer muskelrelaxierenden und euphorisierenden Wirkung insbesondere im sexuellen Kontext inhalativ konsumiert werden.