Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Wirksamkeit und Glukokortikoid-einsparendes Potenzial von Upadacitinib bei Riesenzellarteriitis: Real-World-Daten aus einer prospektiven Kohorte
Text
Einleitung: Die Riesenzellarteriitis (RZA) ist die häufigste Großgefäßvaskulitis und bleibt trotz Fortschritten, wie der IL-6-Inhibition, mit erheblicher Morbidität assoziiert [1]. Im April 2025 wurde der Januskinase-Inhibitor Upadacitinib (UPA) als erste orale zielgerichtete Therapie zugelassen [2]. Real-World-Daten zur Wirksamkeit und zum glukokortikoid-einsparenden Potenzial sind jedoch begrenzt. Ziel war die Untersuchung von Therapiepersistenz, Wirksamkeit und Glukokortikoidreduktion unter UPA.
Methoden: In dieser prospektiven, monozentrischen Real-World-Kohortenstudie wurden seit Mai 2025 konsekutiv Patienten mit RZA (ACR/EULAR-Kriterien) eingeschlossen, die UPA als Erst- oder Zweitlinientherapie erhielten (Ethik EA1/002/24). Erfasst wurden Basisdaten, Therapiepersistenz, Abbruchgründe sowie klinische und laborchemische Parameter. Die Glukokortikoidexposition wurde anhand der Prednisolondosis analysiert. Aufgrund kleiner Stichprobe erfolgten nichtparametrische gepaarte Vergleiche ohne Adjustierung für multiples Testen.
Ergebnisse: 22 Patienten (72,5 ± 7,9 Jahre; 14 weiblich; Krankheitsdauer 1,9 ± 3,9 Jahre; 77% biologikanaiv) wurden eingeschlossen (Tabelle 1 [Tab. 1]). Es wurden 24 Behandlungsepisoden analysiert. Nach median 103,5 Tagen (0–313) wurde die Therapie bei 81,8% fortgeführt. Sechs Therapieabbrüche traten auf, überwiegend aufgrund unerwünschter Ereignisse (Divertikulitis n=2, Herpes zoster n=1, Schwindel n=1), seltener wegen unzureichender Wirksamkeit oder patientenbezogener Gründe; zwei Reexpositionen waren erfolgreich.
Tabelle 1: Basischarakteristika
Klinisch zeigte sich eine Verbesserung: Schmerz (VAS) sank von 48,2 ± 29,1 auf 7,3 ± 15,8, die Patienten- und Arztglobalbeurteilung von 50,9 ± 26,7 bzw. 44,5 ± 31,4 auf 7,3 ± 15,8 bzw. 5,9 ± 14,0. Die funktionelle Einschränkung (HAQ) verbesserte sich von 1,0 ± 0,7 auf 0,2 ± 0,5.
Zudem zeigte sich ein signifikanter glukokortikoidsparender Effekt: Prednisolon sank von 53,5 ± 63,6 mg/Tag (Median 45,0) auf 21,6 ± 12,9 mg nach 1 Monat (p=0,016), 5,5 ± 4,1 mg nach 3 Monaten (p<0,001) und 1,2 ± 2,0 mg nach 6 Monaten (Median 0,0; p=0,0025) (Abbildung 1 [Abb. 1]).
Abbildung 1: Prednisolondosis über den zeitlichen Verlauf
Schlussfolgerung: UPA zeigte in dieser Real-World-Kohorte eine hohe Persistenz, effektive Krankheitskontrolle und ausgeprägte Glukokortikoidreduktion. Therapieabbrüche waren meist durch Nebenwirkungen bedingt. Weitere Studien zur Langzeitsicherheit und optimalen Therapieposition sind erforderlich.
Offenlegungserklärung: VC erhielt Vortragshonorare von AbbVie, Novartis, UCB und Boehringer Ingelheim.
DS war Mitglied wissenschaftlicher Beiräte für AbbVie, Bristol Myers Squibb, Gilead Sciences, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis und UCB; erhielt Vortragshonorare von AbbVie, Amgen, Alfasigma, Bristol Myers Squibb, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis und UCB.
WS war als Referent für Abbvie, Alfasigma, Amgen, Chugai, CSL Vifor, GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson, Lilly, Medac, Novartis, Pfizer, Sanofi und UCB sowie als Berater für Abbvie, Amgen, Boehringer Ingelheim, Fresenius Kabi, Novartis und Sanofi tätig. WS hat Forschungsgelder als Principal Investigator von Abbvie und Novartis erhalten.Die weiteren Autoren geben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit an.
Literatur
[1] Casteleyn V, Schmidt WA. Bildgebung bei Großgefäßvaskulitiden [Imaging of large vessel vasculitis]. Z Rheumatol. 2023 Oct;82(8):646-653. German. DOI: 10.1007/s00393-023-01405-7[2] Blockmans D, Penn SK, Setty AR, Schmidt WA, Rubbert-Roth A, Hauge EM, Keen HI, Ishii T, Khalidi N, Dejaco C, Cid MC, Hellmich B, Liu M, Zhao W, Lagunes I, Romero AB, Wung PK, Merkel PA; SELECT-GCA Study Group. A Phase 3 Trial of Upadacitinib for Giant-Cell Arteritis. N Engl J Med. 2025 May 29;392(20):2013-2024. DOI: 10.1056/NEJMoa2413449



