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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Geschlechts- und altersbezogene Unterschiede bei axSpA: Krankheitslast und Therapiepersistenz – Analysen aus dem RABBIT-SpA Register

Lisa Lindner - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Epidemiologie und Versorgungsforschung, Berlin, Deutschland
Stephanie Lembke - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Epidemiologie und Versorgungsforschung, Berlin, Deutschland
Anja Weiß - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Epidemiologie und Versorgungsforschung, Berlin, Deutschland
Thorben Witte - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Berlin, Deutschland
Anke Liebhaber - Rheumapraxis, Halle, Deutschland
Uta Kiltz - Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne, Deutschland; Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
David Simon - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Berlin, Deutschland
Anne Regierer - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Epidemiologie und Versorgungsforschung, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: Geschlechtsbezogene Unterschiede bei axialer Spondyloarthritis (axSpA) rücken zunehmend in den Fokus der rheumatologischen Forschung. Frauen berichten häufig höhere subjektive Krankheitslast und stärkere funktionelle Beeinträchtigungen, während Männer häufiger objektive Entzündungszeichen und strukturelle Schäden aufweisen [1]. Neben dem Geschlecht beeinflusst auch das Alter klinische Manifestationen und den Krankheitsverlauf.

Ziel dieser Untersuchung war es, (i) soziodemografische und klinischen Merkmale sowie patientenberichteten Outcomes (PROs) bei jüngeren und älteren Frauen und Männern mit axSpA zu vergleichen und (ii) die Therapiepersistenz sowie Gründe für den Abbruch der ersten b/tsDMARD-Therapie zu analysieren.

Methoden: Analysiert wurden Daten aus der prospektiven Kohorte RABBIT-SpA. Eingeschlossen wurden b/tsDMARD-naive Patient:innen zum Zeitpunkt der ersten b/tsDMARD-Initiierung. Die Einteilung erfolgte in vier Gruppen: jüngere (≤50 Jahre) und ältere (>50 Jahre) Frauen und Männer. Deskriptive Analysen sowie Kaplan–Meier-Kurven (12 Monate) zur Therapiepersistenz wurden durchgeführt. Interaktionen zwischen Alter und Geschlecht wurden mittels Cox-Regression geprüft.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 1.268 Patient:innen eingeschlossen, 42% waren weiblich (Tabelle 1 [Tab. 1]). Objektive Entzündungsparameter (CRP ≥5 mg/L) und HLA-B27-Positivität waren häufiger bei Männern. Frauen zeigten häufiger periphere Manifestationen wie Polyarthritis und Enthesitis sowie häufiger nicht-röntgenologische axSpA. Die Krankheitsaktivität (ASDAS) war vergleichbar zwischen den Gruppen, jedoch berichteten Frauen höhere Werte für BASDAI, Schmerz und ASAS-HI. Die funktionelle Einschränkung (BASFI) war altersabhängig, jedoch ähnlich zwischen den Geschlechtern.

Tabelle 1: Baseline-Charakteristika von b/tsDMARD-naiven axSpA-Patient:innen bei Beginn der ersten b/tsDMARD-Therapie, stratifiziert nach Geschlecht und Alter.

Über 12 Monate zeigte sich eine geringere Therapiepersistenz bei Frauen im Vergleich zu Männern sowie bei älteren im Vergleich zu jüngeren Patient:innen. Frauen brachen die Behandlung früher ab als Männer (Abbildung 1a [Abb. 1]). Die Altersstratifizierung zeigte eine kürzere Therapiepersistenz bei älteren Patient:innen beider Geschlechter (Abbildung 1b [Abb. 1] und 1c [Abb. 1]). Therapieabbrüche innerhalb von 12 Monaten traten bei 21% der Frauen und 13% der Männer auf, meist aufgrund von Wirkversagen (53% vs. 44%) oder Nebenwirkungen (23% vs. 29%). Eine signifikante Interaktion zwischen Alter und Geschlecht bestand nicht.

Abbildung 1: Kaplan–Meier-Analyse der Therapiepersistenz bis zum Abbruch des ersten b/tsDMARDs über alle Therapien, stratifiziert nach Geschlecht (a), Frauen nach Altersgruppen (b), Männer nach Altersgruppen (c).

Schlussfolgerung: Alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede in Manifestation, Krankheitslast und Therapieverlauf bei axSpA wurden nachgewiesen. Während Männer häufiger objektive Entzündungszeichen zeigen, berichten Frauen höhere subjektive Krankheitslast. Die Therapiepersistenz variierte nach Geschlecht und Alter, wobei Frauen und ältere Patient:innen die Therapie früher abbrachen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Forschung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei axSpA weiter zu intensivieren, insbesondere angesichts der historischen Wahrnehmung der Erkrankung als überwiegend männlich.

Offenlegungserklärung: Die Finanzierung erfolgt gemeinschaftlich durch Eigenmittel des DRFZ sowie durch ein Konsortium fördernder pharmazeutischer Unternehmen. Derzeit sind dies AbbVie, Biogen, Celltrion, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, Pfizer, und UCB. Wir danken allen teilnehmenden Patient:innen und Rheumatolog:innen.

Disclosure statement: Lisa Lindner: None declared, Stephanie Lembke: None declared, Anja Weiß: None declared, Thorben Witte has received honorary from UCB Pharma, AbbVie, Johnson & Johnson, Anke Liebhaber: None declared, Uta Kiltz: None declared, David Simon has received speaker honoraria from AbbVie, Amgen, Alfasigma, Bristol-Myers Squibb, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, UCB., Anne Regierer has received speakers honoraria from Alfasigma, LAWG, Amgen, BMS, Novartis, Pfizer, Roche.


Literatur

[1] Kohn SO, Azam A, Hamilton LE, Harrison SR, Graef ER, Young KJ, Marzo-Ortega H, Liew JW. Impact of sex and gender on axSpA diagnosis and outcomes. Best Pract Res Clin Rheumatol. 2023 Sep;37(3):101875. DOI: 10.1016/j.berh.2023.101875