Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Rhizarthrose bei Rheumatiker*innen: Endoprothetische Versorgung – eine Fallserie
Text
Einleitung: Die Rhizarthrose ist eine klinisch und funktionell relevante degenerative Gelenkerkrankung insbesondere älterer Patient*innen, die zu einer relevanten Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Epidemiologische Studien gehen von einer Prävalenz der radiologisch diagnostizierten Rhizarthrose von 25–35% bei postmenopausalen Frauen und etwa 6% bei Männern aus [1].
In den letzten Jahren hat die Implantation von Prothesen des Trapezio-Metacarpal-Gelenks (TMC) bei Arthrose zunehmend an Bedeutung gewonnen, da sie im Vergleich zur Trapezektomie eine schnellere Rehabilitation, verbesserte Funktionalität, Beweglichkeit, Kraftentwicklung sowie einen Längengewinn ermöglicht. Nachteil der endoprothetischen Versorgung sind jedoch höhere Komplikationsraten im Sinne von Prothesenlockerungen oder Luxationen [2], [3].
Mit Einführung von Doppelmobilitätsprothesen konnten diese Risiken deutlich reduziert werden; es werden geringere Luxations- und Pfannenlockerungsraten verzeichnet [4].
Bei Rheumatiker*innen gilt nach wie vor die Trapezektomie als Goldstandard zur chirurgischen Behandlung der Rhizarthrose.
Mögliche Langzeitfolgen einer schlecht kontrollierten rheumatischen Systemerkrankung umfassen Bandinstabilitäten, Knochenzystenbildung und eine insgesamt reduzierte Knochenqualität. Diese Faktoren erschweren – insbesondere aufgrund der kleinen und komplexen Anatomie der Hand – die endoprothetische Versorgung bei Patient*innen mit chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen [5].
Durch den Einsatz moderner Biological-Therapien treten diese Komplikationen jedoch zunehmend seltener auf, sodass auch bei Rheumapatient*innen neue operative Strategien in Betracht gezogen werden können [6].
Bisher existieren keine Studien zur Implantation von TMC-Prothesen bei Rheumatiker*innen. Mit diesem Poster soll daher eine erste Fallserie mit klinischen und funktionellen Ergebnisse nach TMC-Prothesen-Implantation bei Rheumapatient*innen vorgestellt werden.
Methoden: Für diese Fallserie wurden sieben Patient*innen mit rheumatischer Systemerkrankung und Rhizarthrose mit folgender Endoprothesen-Implantation untersucht. Die Untersuchungen erfolgten präoperativ sowie zu den Zeitpunkten: 6 Wochen, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate postoperativ. Aufgrund der prospektiven Untersuchung liegen zum aktuellen Zeitpunkt die 12-Monats-Daten für drei Patient*innen vor; die 6-Monats-Daten für weitere drei Patient*innen und 3-Monats-Daten für eine*n weitere*n Patient*in vor. Als primäre Endpunkte wurden Schmerzintensität, Funktionalität und Griffkraft definiert. Die Schmerzmessung erfolgte mittels visueller Analogskala (VAS). Die Funktionalität wurde objektiv über den Kapandji-Score und subjektiv über den QuickDASH-Fragebogen bestimmt. Mittels Dynamometer wurde die Kraft des Schlüssel- und Pinzettengriffs quantifiziert.
Ergebnisse: Der Mittelwert des VAS-Wertes sank von 7,1 präoperativ auf 0,3 nach 12 Monaten.Die Funktionalität verbesserte sich sowohl objektiv (Kapandji-Score: Anstieg im Mittel von 7,4 auf 9,7) als auch subjektiv (QuickDASH: Rückgang von im Mittel 55,2 auf 29,5 Punkte). Die Schlüssel-Griffkraft stieg von 3,4 kg präoperativ auf 4,3 kg nach 12 Monaten (n=3), die Pinzetten-Griffkraft von 2,3 kg auf 3,5 kg. Die 6-Monats-Ergebnisse (mit n=6) zeigten eine noch vielversprechendere Verbesserung der Griffkraft (Schlüsselgriff: 4,7 kg; Pinzettengriff: 4,0 kg).
Schlussfolgerung: Die dargestellte Fallserie zeigt, dass auch bei Rheumatiker*innen die TMC-Prothesen-Implantation gute Ergebnisse liefert. Es konnten vielversprechende Verbesserungen der Griffkraft, Funktionalität sowie eine deutliche Schmerzreduktion bereits frühzeitig postoperativ nachgewiesen werden. Ausstehend sind aktuell eine längere Nachbeobachtungsphase sowie weitere Studien mit größeren Patientenkohorten, um klinische Ergebnisse und auch Komplikationsraten detaillierter bewerten zu können.
Offenlegungserklärung: Die Autor*innen bestätigen, dass keine finanziellen, beruflichen oder persönlichen Interessenskonflikte in Bezug auf die eingereichte Arbeit bestehen.
Literatur
[1] Frey PE, Daeschler SC, Naseri Y, Franzen M, Sommer J, Harhaus L, Panzram B. TOUCH® duo-mobile prosthesis in TMC osteoarthritis: two-year results and practical insights regarding key surgical steps and complication management. Arch Orthop Trauma Surg. 2025 May 22;145(1):308. DOI: 10.1007/s00402-025-05926-5[2] Datta S, Bandyopadhyay B, Tahir M, Shah R, Baid M, Hussain MW, Subbaraman K. Joint Replacement Versus Trapeziectomy for Trapeziometacarpal Osteoarthritis: A Systematic Review. Cureus. 2025 Oct 19;17(10):e94908. DOI: 10.7759/cureus.94908
[3] Falaise C, Boulat S. Five-to-8-year prospective follow-up of 61 Touch® trapeziometacarpal prostheses. Hand Surg Rehabil. 2025 Jun;44(3):102167. DOI: 10.1016/j.hansur.2025.102167
[4] Maling L, Rooney A. Outcomes of dual-mobility trapeziometacarpal arthroplasties: a systematic review. J Hand Surg Eur Vol. 2025 May;50(5):587-595. DOI: 10.1177/17531934241292249
[5] Gaulke R. Prinzipien der operativen Korrektur der Handskoliose des Rheumatikers. OUP. 2025;06:244-250.
[6] Breedveld FC, Weisman MH, Kavanaugh AF, Cohen SB, Pavelka K, van Vollenhoven R, Sharp J, Perez JL, Spencer-Green GT. The PREMIER study: A multicenter, randomized, double-blind clinical trial of combination therapy with adalimumab plus methotrexate versus methotrexate alone or adalimumab alone in patients with early, aggressive rheumatoid arthritis who had not had previous methotrexate treatment. Arthritis Rheum. 2006 Jan;54(1):26-37. DOI: 10.1002/art.21519



