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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Die Arthrodese am Handgelenk – eine retrospektive Analyse von 98 Fällen

Roger Scholz - Collm-Klinik, Collm-Klinik Oschatz, Orthopädie und Unfallchirurgie, Oschatz, Deutschland

Text

Einleitung: Die Handgelenksarthrodese ist ein etabliertes Operationsverfahren zur Behandlung der fortgeschrittenen schmerzhaften Funktionsstörung des Handgelenkes. Unterschiedliche Arthroseformen lassen sich mit dieser Methode adressieren. Das Resultat einer achsgerechten knöchernen Konsolidierung lässt sich dabei technisch auf unterschiedlichem Weg erreichen. In den letzten Jahren rückt die Panarthrodese gegenüber verschiedenen Formen der Teilarthrodesen zunehmend in den Hintergrund. Ziel der vorgelegten Untersuchung soll die Ergebnisauswertung unterschiedlicher Arthrodeseverfahren im klinischen Routineverfahren sein.

Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive Analyse klinischer und radiologischer Daten durchgeführter Handgelenksarthrodesen unterschiedlicher Ausdehung (radioscapholunäre Teilarthrodesen, radiocarpale Teilarthrodesen und Panarthrodesen). In diesem Zusammenhang werden auch zusätzliche operative Prozeduren am distalen Radioulnargelenk (Resektionsarthroplastik, Hemiresektionsarthroplastik, distael radioulnare Arthrodese) hinsichtlich der erzielten Ergebnisse ausgewertet. Zur Anwendung kamen winkelstabile Platten überwiegend aus dem Aptus-System der Firma Medartis, in wenigen Einzelfällen für die Panarthrodesen auch winkelstabile Osteosyntheseplatten anderer Hersteller. Für die Arthrodesen des distalen Radioulnargelenkes fanden kanülierte Doppelgewindeschrauben 3 mm und Kirschner-Drähte Anwendung. Die unmittelbar postoperative Retention erfolgte auf einer volaren Schiene und bei gesicherter Wundheilung anschließend für durchschnittlich 12 Wochen in einer stabilen Unterarm-Hand-Orthese.

Ergebnisse: Zur Auswertung kamen die klinischen und radiologischen Daten von 98 Patienten, die im Zeitraum von 11/2013 - 12/2025 eine Arthrodesierung des Handgelenkes in einer der o.g. Formen sowie Zusatzeingriffe am distalen Radioulnargelenk erhalten haben. Es handelt sich um 69 Frauen und 29 Männer mit einem Durchschnittsalter zum OP-Zeitpunkt von 64,9 Jahren (R 32–87). Die Klientel enthält 3 Patienten, die an beiden Handgelenken arthrodesiert wurden. Die Diagnoseverteilung zeigt, dass es sich in 75 Fällen um Sekundärarthrosen bei rheumatischen Grunderkrankungen handelte. Viel seltener waren in unserer Klientel idopathische (n = 9) und posttraumatische (n = 14) Handgelenksarthrosen. Im Ergebnis konnte bei 89 Patienten (87,2%) eine primär sichere Konsolidierung erzielt werden. In 9 Fällen waren Reoperationen erforderlich. Ursächlich dafür waren Pseudarthrosen mit Materialbruch, wobei auffällig ist, dass in der Versagensanalyse die radioscapholunäre Teilarthrodese die häufigste Prozedur für erforderliche Reinterventionen darstellt. Hier kam es häufiger zu einem Bruch der winkelstabilen Osteosyntheseplatten zumeist im Handwurzelbereich. Die klinischen Ergebnisse weisen eine sehr gute Schmerzbefreiung auf, wenn die Arthrodese konsolidiert war. Der Funktionsverlust wird different beurteilt, wobei die Patienteneinschätzung sehr vom Ausgangszustand abhängig ist. In vielen Fällen wird der subjektive Zugewinn an Handkraft (Handkraftmessungen sind nicht erfolgt) positiv bewertet. Ein Ergebnisrelevantes Problem bestand zudem im Vorgehen an der distalen Ulna. Besonders die initial häufiger durchgeführten Resektionsarthroplastiken waren mit verbleibenden Beschwerden im ulnaren Bereich und partiell auch mit Strecksehnenproblemen assoziert.

Schlussfolgerung: Die Handgelenksarthrodese stellt für den Rheumatiker ein recht sichers Verfahren zur Erzielung einer achsgerechten und schmerzfreien Situation entzündlich stark destruierter Handgelenke unter Aufgabe der eigentlichen Gelenkfunktion dar. Dabei sind Teilarthrodesen, die nur den radioscapholunären Bereich adressieren und daher hinsichtlich der Restbeweglichkeit funktionell am günstigsten wären von der größten Anzahl an Pseudarthrosen und notwendigen Reoperationen betroffen. Ursächlich sind hierfür aus meiner Sicht a.e. die kleinen, für die knöcherne Konsolidierung zur Verfügung stehenden Kontaktflächen und die materialtechnisch filigransten Implantate verantwortlich zu machen. Da hier in der distalen Handwurzel und den Carpometacarpalgelenken eine gewisse Restbeweglichkeit erhalten werden soll, ist auch eine noch langfristigere postoperative Ruhigstellung schwierig. Die Indikation für diese Arthrodeseform sollte ähnlich wie für die Chamay-Arthrodese den frühen Instabilitäten bei noch gut erhaltenem bone-stock vorbehalten bleiben. Auch die Verwendung anderer, als der von uns verwendeten winkelstabilen Platten (z.B. mit einer größeren Anzahl distaler Schraubenoptionen) sollte in Betracht gezogen werden. In der retrospektiven Auswertung stellt die Panarthrodese zwar hinsichtlich der Konsolidierung das sichereste Verfahren dar, die radiocarpale Teilarthrodese steht dieser aber kaum nach. Die spezifische Formgebung der sogenannten „Unterstellung“ in dem von uns verwendeten Plattensytem ist sicher ein Vorteil besonders hinsichtlich des postoperativen Kraftzuwachses im Vergleich zu vollständig geraden Platten aus demselben Instrumentarium für die Panarthrodese. Insbesondere bei beidseitigem Befall sollte man der Arthrodeseeinstellung in der saggitalen Ebene besondere Aufmerksamkeit schenken. Die früher bevorzugte leichte Flexionseinstellung (z.B. zur Toilettenhygiene) haben wir vollständig verlassen. Hinsichtlich der Zusatzprozeduren erwies sich die distale radioulnare Arthrodese und Resektion eines ulnaren Segmentes in unserer Klientel als die vergleichsweise zuverlässigste Versorgung.

Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenskonflikte.