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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Welche Faktoren beeinflussen die Teilnahmebereitschaft orthopädischer Patient: innen an Studien mit medizinischem Cannabis?

Jutta G. Richter - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland; Zentrum für Digitale Medizin (ZDM), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Aurelia Beichert - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Tim Filla - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Uwe Maus - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Gamal Chehab - Klink für Rheumatologie und klinische Immunologie, KEM Kliniken Essen-Mitte, Essen, Deutschland; Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Dilan Sert - Asepha GbR, Leipzig, Deutschland
Murat Aslandag - Asepha GbR, Leipzig, Deutschland
Jörg Distler - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Matthias Schneider - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungzentrum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
Inna Frohne - Praxis für Rheumatologie und ganzheitliche Medizin, Essen, Deutschland

Text

Einleitung: Orthopädische Erkrankungen wie Arthrose, Rückenschmerzen und posttraumatische Schmerzsyndrome stellen klinische und gesundheitsökonomische Herausforderungen dar. Trotz multimodaler Therapiekonzepte persistieren Schmerzen und eine eingeschränkte Lebensqualität. Analgetika und Opioide sind insbesondere in der Langzeitanwendung durch unerwünschte Wirkungen und Abhängigkeitsrisiken limitiert. Medizinisches Cannabis (MC) wird als Therapieoption diskutiert. Studien beschreiben geringe bis moderate Effekte z.B. auf die Schmerzreduktion und körperliche Funktion, bei begrenzter Evidenz. Für eine patientenzentrierte Versorgung sowie die Planung klinischer Studien ist ein besseres Verständnis der Patient: innen-Perspektive gegenüber MC essenziell.

Methoden: Anonymisierte Patient: innenbefragung mittels eines Chatbot in einer universitären orthopädischen Ambulanz. Nutzung eines klinikeigenen Tablet oder des eigenen mobilen Endgerätes via QR-Code. Erfasst wurden soziodemografische und klinische Daten, die Bereitschaft zur Teilnahme an einer klinischen Studie mit MC sowie potenzielle Teilnahmebarrieren. Die Auswertung erfolgte deskriptiv sowie mittels penalisierter ordinaler Regression (POR) mit R. Ein positives Ethikvotum sowie eine Studienregistrierung (DRKS00030875) lagen vor.

Ergebnisse: 245 Patient: innen (51% weiblich) wurden eingeschlossen. Weitere Patientencharakteristika zeigt Tabelle 1 [Tab. 1]. 66% gaben eine (potenzielle) Bereitschaft zur Teilnahme an einer MC-Studie an, 34% lehnten diese ab. Vorangegangener Freizeitkonsum von Cannabis (OR 2,3), die Anzahl eingenommener pflanzlicher Arzneimittel (OR 1,39) sowie eingenommene Zahl an Schmerzmedikamenten (OR 1,11) waren positiv mit der Teilnahmebereitschaft assoziiert. Auch höheres Wissen über MC (OR 1,03) und stärkere Schmerzintensität (OR 1,06) zeigten einen schwachen positiven Zusammenhang. Geschlecht und Krankheitsdauer hatten keinen Einfluss. Höhere Zufriedenheit mit der aktuellen Therapie war mit geringerer Teilnahmebereitschaft verbunden (OR 0,64).

Tabelle 1: Soziodemografische und klinische Charakteristika sowie Bereitschaft zur Teilnahme an einer klinischen Studie mit medizinischem Cannabis

Häufigste Barrieren waren mangelnde Informationen (33%), Angst vor unerwünschten Wirkungen (23%) und Angst vor Abhängigkeit (19%). Die Kombination aus geringem Wissen und Abhängigkeitsangst war mit einer statistisch signifikant höheren Ablehnungswahrscheinlichkeit assoziiert (OR 3,53; p = 0,003).

Schlussfolgerung: Etwa zwei Drittel orthopädischer Patient: innen stehen zukünftigen MC-Studien offen gegenüber, insbesondere bei Vorerfahrungen mit Cannabis oder Phytotherapeutika. Ablehnung beruht häufig auf modifizierbaren Informationsdefiziten und Sicherheitsbedenken. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung strukturierter, niedrigschwelliger und patientenzentrierter Informationsstrategien zur Förderung von Shared Decision Making und zur Optimierung zukünftiger MC-Studien.

Tabelle 2 [Tab. 2]

Tabelle 2: Odds Ratios aus einer penalisierten ordinalen Regressionsanalyse (Lambda = 0,0076)