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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Fieber, Zytopenie und Krampfanfälle: Remissionsinduktion durch IL-1/IL-18-Blockade

Anja Staeck - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Minh-Duc Phan - Notfall- und Akutmedizin, Charité Universitätsmedizin, Berlin, Deutschland
Fredrik Albach - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Anne Pankow - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
David Simon - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Gerhard Krönke - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Hans Bastian - Rheumatologie, klinische Immunologie und Osteologie, Immanuel Krankenhaus Berlin-Buch, Berlin, Deutschland
Udo Schneider - Rheumatologie, klinische Immunologie und Osteologie, Immanuel Krankenhaus Berlin-Buch, Berlin, Deutschland
Robert Biesen - Rheumatologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Vorgeschichte: Bei einer 68-jährigen Patientin wurde im Januar 2025 erstmals ein adulter Morbus Still (AOSD) diagnostiziert. Klinisch manifestierte sich die Erkrankung mit rezidivierenden Fieberschüben bis 40,9 °C, einem flüchtigen Exanthem sowie einer symmetrischen Polyarthritis. Laborchemisch zeigten sich erhöhte Entzündungsparameter mit Ferritinwerten bis 1.944 µg/l sowie einem CRP von 50 mg/l bei unauffälliger Autoimmundiagnostik. Initial erfolgte eine Therapie mit Anakinra, Methotrexat und Prednisolon. Aufgrund von Nebenwirkungen oder Ineffektivität erfolgten mehrere Therapieumstellungen (u.a. Canakinumab, Baricitinib, Upadacitinib, Ciclosporin A). Trotz dieser intensiven immunmodulatorischen Therapie entwickelte sich eine rasch progrediente systemische Krankheitsaktivität mit Ausbildung eines Makrophagenaktivierungssyndroms (MAS).

Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Klinisch führend waren rezidivierende hochfieberhafte Schübe mit flüchtigem Exanthem, symmetrischer Polyarthritis und Halsschmerzen. Im Rahmen des MAS traten zusätzlich generalisierte Anasarka, Cephalgien, tonisch-klonische Krampfanfälle, Gangunsicherheit und Dyspnoe auf.

Diagnostik: Die Diagnose eines AOSD erfolgte anhand der klinischen Symptomkonstellation, laborchemischer Hyperinflammation und nach Ausschluss differenzialdiagnostischer Ursachen. Umfangreiche infektiologische und onkologische Diagnostik (u.a. PET-CT, Lymphknotenbiopsie, Knochenmarkpunktion, Bronchoskopie) ergab keinen Hinweis auf eine zugrundeliegende infektiöse oder maligne Erkrankung. Im September 2025 entwickelte die Patientin Cephalgien und tonisch-klonische Krampfanfälle. Laborchemisch zeigte sich eine hoch-inflammatorische Konstellation mit Ferritin von 37.000 µg/l, IL-18 > 22.000 pg/ml, LDH von 1.100 U/l sowie Bizytopenie (Hb 8,7g/dl, Thrombozyten 99/nl). Eine cMRT zeigte einen Normalbefund. Bei erhöhter Zellzahl im Liquor (11/µl) ergab sich kein Hinweis auf eine infektiöse Grunderkrankung. CT-morphologisch imponierten bipulmonale Infiltrate im Sinne einer entzündlichen interstitiellen Lungenbeteiligung (Abbildung 1 [Abb. 1]). Ein MAS (H-Score bis 96%) mit Polyserositis (Perikard- und Pleuraergüsse), bipulmonalen Infiltraten sowie einer aseptischen Meningitis wurde diagnostiziert.

Abbildung 1: Koronare CT-Rekonstruktionen des Thorax vor und zwei Monate nach Beginn einer Behandlung mit MAS825

Therapie: Therapeutisch erfolgten bei MAS zunächst hochdosierte Glukokortikoid- und Immunglobulingaben sowie eine Therapie mit Ciclosporin A und IL-1-Antagonisten (Anakinra 400 mg/Tag intravenös). Bei Therapierefraktärität wurde durch Novartis eine Einzelfallbehandlung mit dem bispezifischen anti-IL1β und anti-IL-18 Antikörper MAS825 ermöglicht. Die Therapieeinleitung erfolgte in 14-tägigem Intervall im November 2025.

Weiterer Verlauf: Unter Therapie mit MAS825 zeigte sich ein rasches klinisches Ansprechen eine Woche nach Therapiebeginn und eine nachhaltige Stabilisierung des Allgemeinbefindens innerhalb von vier Monaten. Fieber, pulmonale Infiltrate, Polyserositis, Krampfanfälle und Anasarka waren vollständig rückläufig. Laborchemisch zeigte sich ebenfalls ein überzeugendes Therapieansprechen mit Normalisierung von Blutbild und Ferritin. Therapieassoziierte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Offenlegungserklärung: Der eingesetzte Antikörper wurde von Novartis Pharma GmBH Deutschland im Rahmen eines individuellen Heilversuchs zur Verfügung gestellt.