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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Impfungen bei systemischem Lupus erythematodes: 10-Jahres-Update der LuLa-Kohorte

Gamal Chehab - Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungszentrum, Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland; Hiller-Forschungszentrum, Düsseldorf, Deutschland; Klinik für Rheumatologie & Klinische Immunologie, KEM, Evang. Krankenhaus Essen-Werden, Essen, Deutschland
Jutta G. Richter - Hiller-Forschungszentrum, Düsseldorf, Deutschland; Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungszentrum, Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland
Anna Kernder - Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne, Deutschland
Rebecca Fischer-Betz - Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungszentrum, Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland; Hiller-Forschungszentrum, Düsseldorf, Deutschland
Sabine Schanze - Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e.V., Wuppertal, Deutschland
Jörg Distler - Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungszentrum, Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland; Hiller-Forschungszentrum, Düsseldorf, Deutschland
Matthias Schneider - Klinik für Rheumatologie und Hiller Forschungszentrum, Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland; Hiller-Forschungszentrum, Düsseldorf, Deutschland

Text

Einleitung: Infektionen stellen nach wie vor eine wesentliche Ursache für Morbidität und Mortalität bei Patientinnen und Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) sowie anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) dar. Impfungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention schwerer Infektionen in dieser Patientengruppe. In den vergangenen Jahren wurden die Impfempfehlungen für diese Patientengruppe wiederholt aktualisiert – sowohl auf internationaler Ebene, insbesondere durch die European League Against Rheumatism (EULAR) [1] und das American College of Rheumatology (ACR) [2], als auch auf nationaler Ebene durch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) [3]. Trotz dieser kontinuierlichen Bemühungen zeigen epidemiologische Daten weiterhin unzureichende Impfquoten. Bereits vor einem Jahrzehnt analysierte die LuLa-Studie die Impfquoten sowie die Gründe für Nicht-Impfungen in einer deutschen SLE-Kohorte.Ziel der vorliegenden Studie war es, die aktuellen Impfquoten sowie die Einstellung zu Impfungen bei deutschen Patientinnen und Patienten mit SLE zu erfassen. Dabei erfolgte die Analyse im Kontext der aktuellen Empfehlungen (EULAR 2019, ACR 2022, DGRh 2025/2026) sowie unter Berücksichtigung unserer Ergebnisse von vor zehn Jahren.

Methoden: Die Lupus-Langzeitkohorte (LuLa-Studie) ist eine jährlich durchgeführte, prospektive, patientenzentrierte Kohortenstudie unter Patientinnen und Patienten mit SLE in Deutschland. Zusätzlich zu den etablierten jährlichen Fragestellungen wurden im Jahr 2025 standardisierte Daten zur Impfgeschichte erhoben, einschließlich Tetanus-, Influenza-, Pneumokokken- und Herpes-zoster-Impfungen sowie weiterer für Patientinnen und Patienten mit ERE empfohlener Impfungen. Darüber hinaus wurden Gründe für Nicht-Impfungen (z.B. Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen, Angst vor Krankheitsschüben) sowie Informations- und Empfehlungsquellen im Zusammenhang mit Impfentscheidungen (z.B. Hausärztin/Hausarzt, Rheumatologin/Rheumatologe, andere Fachärztinnen/Fachärzte) als Schwerpunktthema systematisch erfasst. Die Rekrutierung der Patientinnen und Patienten erfolgte über die Lupus Erythematodes Selbsthilfeorganisation in Wuppertal. Die Datenerhebung wurde mittels eines elektronischen Register- und Umfragesystems durchgeführt, das eine standardisierte, sichere und effiziente Datenerfassung gewährleistete. Der Erhebungszeitraum umfasste den Zeitraum von Januar bis Dezember 2025.

Ergebnisse: 130 Patientinnen und Patienten (93,1% weiblich) mit einem Durchschnittsalter von 50,6 Jahren (Spanne: 24–76) und einer medianen Krankheitsdauer von 19,5 Jahren (Spanne: 0–47) nahmen an der Befragung teil. Der Impfstatus wurde überwiegend von der Hausärztin/Hausarzt (75,4%) oder der Rheumatologin/Rheumatologen (22,3%) überprüft, seltener durch internistische Fachärztinnen/Fachärzte (4,6%) oder andere (16,2%). Bemerkenswert ist, dass bei 17,7% der Teilnehmenden keine ärztliche Überprüfung des Impfstatus erfolgte. Die Impfquoten betrugen 86,2% für Tetanus (Impfung innerhalb der letzten 10 Jahre), 81,5% für Pneumokokken (Impfung innerhalb der letzten 5 Jahre), 30,0% für Meningokokken (Impfung innerhalb der letzten 5 Jahre), 70,8% für Influenza, 41,5% für Herpes zoster und 33,8% für COVID-19 (Impfungen im letzten Jahr).Insgesamt berichteten 17,7% der Teilnehmenden, in der Vergangenheit Impfungen abgelehnt zu haben. Die häufigsten Gründe für eine Ablehnung waren die Angst vor Krankheitsschüben und Bedenken hinsichtlich impfassoziierter Nebenwirkungen (jeweils 5,4%). Fünf Teilnehmende (3,8%) gaben an, dass ihnen mindestens eine Ärztin bzw. ein Arzt grundsätzlich von Impfungen bei SLE abgeraten habe. Im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2016 zeigte sich ein deutlicher Rückgang des Anteils der Patientinnen und Patienten, die angaben, dass ihnen mindestens eine Ärztin bzw. ein Arzt grundsätzlich von Impfungen abgeraten habe (16,1% vs. 3,8%). Auch der Anteil derjenigen, die jemals Impfungen abgelehnt hatten, nahm deutlich ab (37,5% vs. 17,7%). Die Angst vor Krankheitsschüben und vor impfassoziierten Nebenwirkungen blieben die häufigsten Gründe für eine Impfablehnung, wurden jedoch deutlich seltener genannt. Parallel hierzu stiegen die Impfquoten für alle in beiden Erhebungen untersuchten Impfungen deutlich an: Tetanus (65,8% vs. 86,2%), Influenza (45,2% vs. 70,8%) und Pneumokokken (32,2% vs. 81,5%) sowie Meningokokken (6,1% vs. 30,0%).

Schlussfolgerung: Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Impfquoten und die Impfakzeptanz bei deutschen Patientinnen und Patienten mit systemischem Lupus erythematodes deutlich verbessert, einhergehend mit einem Rückgang ärztlich empfohlener Impfverweigerung als auch von durch Patientinnen und Patienten berichteter Impfablehnung. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass aktualisierte nationale und internationale Impfempfehlungen sowie ein gestiegenes Bewusstsein unter Gesundheitsfachkräften einen positiven Einfluss auf die Impfpraktiken hatten.Dennoch bleiben die Impfquoten für mehrere empfohlene Impfungen unzureichend, und ein relevanter Anteil der Patientinnen und Patienten berichtet weiterhin über eine unzureichende ärztliche Überprüfung ihres Impfstatus. Dies unterstreicht den fortbestehenden Bedarf an gezielter Patientenaufklärung und konsequenter Impfberatung.

Offenlegungserklärung: Die Forschung wurde durchgeführt mit finanzieller Unterstützung von GlaxoSmithKline.


Literatur

[1] Furer V, Rondaan C, Heijstek MW, Agmon-Levin N, van Assen S, Bijl M, Breedveld FC, D'Amelio R, Dougados M, Kapetanovic MC, van Laar JM, de Thurah A, Landewé RB, Molto A, Müller-Ladner U, Schreiber K, Smolar L, Walker J, Warnatz K, Wulffraat NM, Elkayam O. 2019 update of EULAR recommendations for vaccination in adult patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases. Ann Rheum Dis. 2020 Jan;79(1):39-52. DOI: 10.1136/annrheumdis-2019-215882
[2] Bass AR, Chakravarty E, Akl EA, Bingham CO, Calabrese L, Cappelli LC, Johnson SR, Imundo LF, Winthrop KL, Arasaratnam RJ, Baden LR, Berard R, Bridges SL Jr, Cheah JTL, Curtis JR, Ferguson PJ, Hakkarinen I, Onel KB, Schultz G, Sivaraman V, Smith BJ, Sparks JA, Vogel TP, Williams EA, Calabrese C, Cunha JS, Fontanarosa J, Gillispie-Taylor MC, Gkrouzman E, Iyer P, Lakin KS, Legge A, Lo MS, Lockwood MM, Sadun RE, Singh N, Sullivan N, Tam H, Turgunbaev M, Turner AS, Reston J. 2022 American College of Rheumatology Guideline for Vaccinations in Patients With Rheumatic and Musculoskeletal Diseases. Arthritis Care Res (Hoboken). 2023 Mar;75(3):449-464. DOI: 10.1002/acr.25045
[3] Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V. (2025/2026). Empfehlungen – Impfungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. [Abgerufen am 28.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.dgrh.de/aktuelles/impfungen-bei-entzuendlich-rheumatischen-erkrankungen/