Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Verbesserung der Selbstfürsorge bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen durch eine adaptive, digitale Trainingsplattform: Ergebnisse der randomisierten, kontrollierten RhPID-Studie
Text
Einleitung: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen gehen neben muskuloskelettalen Symptomen häufig mit Schmerzen, Fatigue, Depressionen und einer eingeschränkten Lebensqualität einher. Digitale Anwendungen können dabei helfen, diese Beschwerden zu lindern. Die App RheCORD plus (RheCORD+; jetzt RheCORD) unterstützt Patient:innen mit rheumatischen Erkrankungen und bietet neben Funktionen zur Dokumentation des Krankheitsverlaufs und Übermittlung der Patient Reported Outcomes an die rheumatologischen Praxen auch ein Trainingsmodul zur individuellen Stärkung von Selbstfürsorgekompetenzen im Alltag.
Methoden: Im Rahmen einer prospektiven, randomisierten, offenen und multizentrischen Studie (Studienregistrierung: BfARM unter DRKS00032185, Studiendesign: [1]) wurden rheumatologische Patient:innen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]) und einer Krankheitsdauer ≥ 1 Jahr unter stabiler Therapie (mind. 12 Wochen) der rheumatologischen Standardversorgung (Kontrollgruppe) oder der Standardversorgung in Kombination mit einer Nutzung von RheCORD+ auf dem eigenen Smartphone (RheCORD+-Gruppe) per 1:1 Blockrandomisierung zugeteilt. Der primäre Studienendpunkt war die Veränderung der Selbstfürsorge im Alltag, ermittelt anhand der Mindful Self-Care Scale (MSCS-S) vom Ausgangswert bis Woche 12 (+4) (= Studienende [EOS]). Zusätzlich wurden folgende co-primäre Endpunkte geprüft: Schmerz (0-10 Schmerz-NRS), Depression/Angst (Patient Health Questionnaire 4, PHQ-4), MSCS-Zusatzskala (MSCS-SG) sowie patientenberichtete Beeinträchtigung durch Symptome im Alltag (Rheumatoid Arthritis/Psoriatic Arthritis Impact of Disease Questionnaire, RAID/PsAID-12). Die primäre Endpunktanalyse erfolgte jeweils mittels Kovarianzanalysen (ANCOVA) in der Intention-to-treat-Population (ITT), adjustiert für Ausgangswerte und unter Anwendung der Jump-to-Reference-Methode für fehlende Werte. Eine zusätzliche Sensitivitätsanalyse erfolgte anhand einer Per-Protocol ANCOVA (PP) für Patient:innen mit Daten zu Baseline und EOS. Eine Responderanalyse basierend auf der jeweils minimal klinisch relevanten Differenz (MCID) für jedes Endpunktmessinstrument rundete die Auswertung neben einer Subgruppenanalyse regelmäßiger RheCORD+-Nutzer:innen (Nutzung ≥ 1x pro Woche) ab. Für den MSCS-S Gesamtwert wurde a priori ein MCID im Sinne einer Verbesserung von mindestens 15% gegenüber dem Ausgangswert definiert.
Tabelle 1: Ausgangswerte zu Studienbeginn
Ergebnisse: Insgesamt bildeten 298 Patient:innen (RheCORD+-Gruppe n=146, Kontrollgruppe n=152) mit verfügbaren Baselinedaten (Tabelle 1 [Tab. 1]) und Erfüllung der Ein- und Ausschlusskriterien die Analysepopulation. 47 von 146 Patient:innen in der RheCORD+-Gruppe (32,2%) gaben bei Studienende an, das Selbstfürsorgemodul regelmäßig genutzt zu haben.
Zum Studienende zeigten sowohl ITT-/PP-ANCOVAs wie auch die Responderanalyse einen signifikanten Unterschied zwischen Kontroll- und RheCORD+-Gruppe zugunsten letzterer (ITT: p = 0,005; PP: p = 0,003; Responder: p = 0,007). Die Subgruppenanalyse regelmäßiger Nutzer:innen im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte einen noch deutlicheren Effekt in allen drei Analysen (jeweils p < 0,001) (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die ITT-/PP-ANCOVA-Modelle der co-primären Endpunkte zeigten hingegen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
Abbildung 1: Analysen der MSCS-S-Scores. (A) Mittlere Veränderung von Baseline (BL) bis Studienende (EOS) bei randomisierten Patient:innen und regelmäßigen Nutzer:innen; (B) Responderanalysen (definiert als =15 % Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert). BL, Baseline; EOS, end of study; ITT, intention to treat; MSCS-S, Mindful Self-Care Scale-Standard (33-item)
Schlussfolgerung: RheCORD+-Nutzer:innen zeigten nach 12–16 Wochen Training mit einem adaptiven Trainingsmodul eine verbesserte Selbstfürsorge im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ein signifikanter Effekt zeigte sich sowohl in der Subgruppenanalyse der regelmäßigen Nutzer als auch in der Gesamtstichprobe (ITT). Ergänzend zur Standardversorgung kann RheCORD+ Patient:innen wirksam dabei unterstützen, ihre Selbstfürsorgekompetenzen zu stärken und damit eine möglichst selbstbestimmte Lebensgestaltung trotz entzündlich-rheumatischer Erkrankung zu unterstützen. Weitere Daten sind erforderlich, um zu analysieren, ob sich durch eine längere Nutzung der App das Risiko für depressive Symptome oder die Entwicklung einer Depression reduzieren lässt [2].
Offenlegungserklärung: Diese Studie wird gesponsort von der RheCORD GmbH & Co KG, Möhrendorfer Str. 1C, 91056 Erlangen, Deutschland.
Literatur
[1] Kleinert S, Klennert M, Hildebrandt K, Froschauer S, Wildenhain S, Muth T, et al. Evaluation von RheCORD PLUS als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) im Rahmen der Evaluationsstudie RhPID. In: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie; Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie; Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie, editors. Deutscher Rheumatologiekongress 2024, 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugenrheumatologie (GKJR), 38. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Düsseldorf, 18.-21.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocEV.01.[2] Taylor H, Strauss C, Cavanagh K. Can a little bit of mindfulness do you good? A systematic review and meta-analyses of unguided mindfulness-based self-help interventions. Clin Psychol Rev. 2021 Nov;89:102078. DOI: 10.1016/j.cpr.2021.102078



