38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
VitreoDens – die umfassende präklinische Evaluation einer Multi-Use Flüssigkeit für die Netzhautchirurgie: Schwere Flüssigkeit, Refraktions-optimierte Endotamponade und Sustained Drug Release System
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Ziel: Die Ablatio-Chirurgie erfordert intraokulare Flüssigkeiten, um eine Netzhautwiederanlage intraoperativ zu ermöglichen und die anatomische Stabilität postoperativ zu gewährleisten. Bestehende Materialien wie perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFCLs) und Silikonöle weisen jedoch erhebliche Einschränkungen auf. PFCLs stabilisieren die Netzhaut intraoperativ, müssen jedoch aufgrund potenzieller Toxizität entfernt werden. Silikonöle bieten eine langfristige Unterstützung, verursachen jedoch refraktive Shifts und erschweren die postoperative Pharmakotherapie. Zudem erfordert die gegenseitige Löslichkeit von PFCLs und Silikonölen aufwendige Austauschverfahren, was die Dauer von chirurgischen Eingriffen erhöht. Um diese Herausforderungen zu lösen, wurde die Multi-Use Flüssigkeit VitreoDens, eine Kombination des semifluorierten Alkans F4H5 mit Polydimethylsiloxan in einem optimierten Verhältnis, entwickelt. Ziel war es, eine Flüssigkeit mit optimiertem Brechungsindex zu kreieren, die Biokompatibilität für die Langzeit-Anwendung mit den intraoperativen Funktionen der schweren Flüssigkeiten vereint.
Methode: VitreoDens wurde umfassend präklinisch evaluiert. Diese vollständige präklinische Evaluierung umfasst die physikochemische, optische und pharmakologische Charakterisierung, die in-vivo-Biokompatibilität sowie die funktionelle Leistungsbewertung in einem großtierexperimentellen Schweinemodell (Landrasse-Schweine sowie Göttingen Miniaturschweine) über 3 Monate.
Ergebnis: VitreoDens weist einen auf den Glaskörper abgestimmten Brechungsindex auf und verhindert postoperative Refractive Shifts. Postoperativ entspricht die Refraktion des VitreoDens-gefüllten Auges der des Kontrollauges in beiden Tiermodellen. Das Biomaterial vereint ebenso die Funktionalität der PFCLs und ist in der Lage abgehobene Netzhaut anzulegen sowie IOL- und Linsenfragmente von der Netzhaut anzuheben. Gleichzeitig ist das Material höchst biokompatibel über 3 Monate im Göttinger Miniaturschwein, bewiesen durch die longitudinale Untersuchung mittels ERG, intraokularem Druck und post-mortem immunhistochemischen Analysen. Zudem dient VitreoDens durch den Anteil F4H5 als Medikamentenreservoir für eine anhaltende intraokulare Wirkstofffreisetzung für verschiedenste lipophile Wirkstoffe, die frei in die Tamponade vor Implantation eingemischt werden können.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen das Potenzial von VitreoDens, chirurgische Ergebnisse zu verbessern, Komplikationen zu reduzieren und neue therapeutische Möglichkeiten in der vitreoretinalen Chirurgie zu eröffnen. Dies stellt einen bedeutenden Fortschritt für diese neuartige Flüssigkeit auf dem Weg zur klinischen Anwendung dar. Ein internationales Konsortium wird in den nächsten Jahren die Substanz im menschlichen Auge testen, First-in-Human Versuche sind noch für dieses Jahr in Heidelberg geplant.



