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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Seröse Amotio retinae bei Präeklampsie – eine Doppelkasuistik von zwei verschiedenen Verlaufsformen

Viola Katharina Merk - Homburg/Saar
B. Seitz - Homburg/Saar
A.D. Abdin - Homburg/Saar

Text

Ziel: Kasuistische Darstellung zweier Verlaufsformen einer serösen Amotio retinae bei Präeklampsie.

Methode/Erstvorstellung: Eine 20-jährige Patientin (Patientin 1) stellte sich konsiliarisch in unserer Augenklinik bei Visusminderung am rechten Auge vor. Diese bestehe postpartal seit einem präeklamptischen Anfall vor 4 Tagen mit folgender Notsectio. Weiterhin stellte sich eine 23-jährige Patientin (Patientin 2) in der 36. Schwangerschaftswoche konsiliarisch vor. Sie beschreibt ein Augenflimmern vor zwei Tagen bei einer erstdiagnostizierten Präeklampsie mit Blutdruckwerten von 150/100 mmHg. Weiterhin bestehen bei beiden Patientinnen keine augenärztlichen Beschwerden, keine augenärztlichen oder allgemeinen Vorerkrankungen. Beide Patientinnen waren erstgebärend, keine Zwillingsschwangerschaften. Bei Patientin 1 betrug bei Erstvorstellung der bestkorrigierte Visus rechts (R) 0,4, links (L) 1,0, der Augeninnendruck lag im Normbereich (R/L 12/11 mmHg). Spaltlampenmikroskopisch zeigte sich ein reizfreier Vorderaugenabschnitt. Funduskopisch und kohärenztomografisch war am rechten Auge eine zentrale seröse Netzhautabhebung zu sehen, peripher war die Netzhaut anliegend. Links zeigte sich eine allseits anliegende Netzhaut. Der Blutdruck war im Normbereich. Bei Patientin 2 lag bei Erstvorstellung der bestkorrigierte Visus bei R 1,25p und L 1,0pp, der Augeninnendruck normwertig (R/L 14/12 mmHg). Der Blutdruck war 141/98 mmHg unter Methyldopa Tbl. 250 mg 4x/d, die Einnahme bestand seit 2 Tagen mit dem Ziel einer langsamen Blutdrucksenkung. Der vordere Augenabschnitt war unauffällig, funduskopisch und kohärenztomografisch zeigten sich eine beidseits bestehende multifokale neurosensorische seröse Netzhautablösung parapapillär ohne makuläre Beteiligung.

Ergebnisse/Verlauf: Bei Patientin 1 zeigte sich in der Verlaufskontrolle 3 Wochen nach Erstvorstellung ein korrigierter Fernvisus beidseits von 1,0, funduskopisch war die Netzhaut zentral und peripher beidseits anliegend, kohärenztomografisch ohne subretinale Flüssigkeit. In den folgenden Verlaufskontrollen zeigte sich ein regelrechter, stabiler Verlauf ohne Visusminderung oder erneute subretinale Flüssigkeit, keine bleibenden Defekte der Netzhaut. Bei Patientin 2 wurde sich gemeinsam mit der Gynäkologie sich für ein zunächst beobachtendes abwartendes Verhalten entschieden. Die Patientin blieb stationär in der Gynäkologie zur Blutdrucküberwachung. In einer kurzfristigen Verlaufskontrolle kam es zu einer Zunahme der subretinalen Flüssigkeit bis in den Makulabereich ohne Foveabeteiligung mit stabilem Visus von 1,25p/1,0pp. Eine Sectio erfolgte geplantermaßen in der 37. Schwangerschaftswoche. 2 Tage postpartal stellte die Patientin sich mit zunehmender Visusminderung auf R/L 0,2p/0,3 vor. Kohärenztomografisch zeigte sich nun eine makuläre Beteiligung beidseits mit deutlicher subretinaler Flüssigkeit und beidseits intraretinalen hyperreflektiven Foci. 11 Tage nach Sectio kam es zu einem Visusanstieg auf 0,4 beidseits, es zeigte sich kohärenztomografisch keine subretinale Flüssigkeit mehr, jedoch RPE-Veränderungen. 4 Wochen postpartal lag der Visus bei rechts/links 1,0/0,8, morphologisch und kohärenztomografisch vollständige Netzhautanlage.

Schlussfolgerung: Die Präeklampsie gehört zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen. Sie tritt in 2 bis 5% aller Schwangerschaften auf, in 1–2% kommt es zu einer serösen Netzhautabhebung. Pathophysiologisch besteht ein Vasospasmus der choroidalen Arterien, welcher zu einer choroidalen Ischämie und einer gestörten Perfusion führen kann. Weiterhin können eine endotheliale Dysfunktion und gestörten Barrierefunktion des retinalen Pigmentepithels zu einer Flüssigkeitstransudation und subretinalen Flüssigkeit führen. Wie in unserer Doppelkasuistik aufgezeigt, ist ein Auftreten sowohl prä- als auch postpartal sowie uni- und häufiger bilateral möglich. In den meisten Fällen kommt es folgend zu einer spontanen Rückbildung der serösen Ablösung unter konservativer Behandlung mit vollständiger Visuserholung und guter Prognose. Retinale Pigmentepithelveränderungen sind größtenteils rückläufig und gehen nur selten mit einer narbigen Abheilung und reduzierter Sehschärfe einher. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Blutdruckkontrolle.