38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
10 Jahre Feuerwerksregister: Was haben wir daraus gelernt
Text
Ziel: Ziel unseres Registers ist es, einen Überblick über Risikogruppen, Inzidenz, Schweregrad von feuerwerksbedingten Augenverletzungen und die beteiligten Produkte zu gewinnen, um die gesellschaftliche Relevanz und Konsequenzen für mögliche Präventionsmaßnahmen zu erörtern.
Methoden: Von Dezember 2016 bis Januar 2026 haben wir jährlich Daten aller teilnehmenden Augenabteilungen in Deutschland mittels eines standardisierten Online-Fragebogens erhoben. Es wurden Gesamtzahlen sowie anonymisierte Daten zu Alter der Patienten, Rolle der Patienten beim Vorfall, beteiligten Produkten und Behandlungsart erfasst. Die Datenanalyse ist deskriptiv.
Ergebnisse: Die Gesamtzahlen standen in einem eindeutigen Zusammenhang mit den gesetzlichen Bestimmungen in den jeweiligen Jahren, wie sich in den beiden Pandemiejahren mit einem Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper für den privaten Gebrauch und einem Rückgang auf 79 bzw. 193 Patienten zeigte. Nach den Pandemiejahren stiegen die Zahlen in den Jahren 2022/23, 2023/24 und 2024/25 auf 838, 781 bzw. 881. Im Jahr 2025/26 wurden Daten von 764 Patienten mit Augenverletzungen übermittelt. Die Beteiligung der augenärztlichen Notaufnahmen betrug 90% aller deutschen Augenabteilungen. Diese hohe Erfassungsrate ermöglicht es, die Inzidenz von durch Feuerwerkskörper verursachten Augenverletzungen in Deutschland nach der Pandemie auf 1/100 000 zu schätzen. Kinder und Jugendliche waren deutlich überrepräsentiert und machten bis zu 40% aller Patienten aus. Über das gesamte Jahrzehnt hinweg gaben durchweg mindestens 50% der Patienten an, unbeteiligte Zuschauer gewesen zu sein. Etwa 25% der Patienten waren schwer verletzt und wurden stationär behandelt. Die Mehrheit der Verletzungen wurde durch zertifizierte Feuerwerksprodukte verursacht.
Schlussfolgerung: Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper stellen in Deutschland ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar. Kinder und Umstehende sind überproportional betroffen – dies zeigt, dass vorhandene Schutzmaßnahmen nicht ausreichen. Präventive Maßnahmen, die auf Kinder, Jugendliche und Umstehende abzielen, müssen umgesetzt werden. Zertifizierte Feuerwerksprodukte müssen dabei berücksichtigt werden.



